Armut hat viele Gesichter

“Ohne ein Netzwerk an Beziehungen könnte ich so nicht überleben”. Dieser Satz stammt von einer alleinerziehenden Mutter mit sieben Kindern, die Bezieherin von Arbeitslosengeld II ist.

Diese Frau hat mich sehr beeindruckt. Vor mir stand, trotz ihrer Umstände, eine sehr glückliche und sehr dynamische Frau, der man in keinster Weise eine Resignation über ihre Situation anmerkte.

Armut ist näher als du denkst. Dies wurde mir hier auf dem Konvent 2011 vom 14.-16.3.11 auf dem Bernhäuser Forst sehr bewusst. Das Thema des Konvents umfasste das Thema “Armut als Herausforderung der evangelischen Jugendarbeit”. In unterschiedlichsten Vorträgen wurde uns die Problematik von Armut und deren Hintergründe verdeutlicht. Die anschließenden Exkursionen und Seminare boten die Möglichkeit noch tiefer in die Materie einzutauchen.

Was mir hier sehr wichtig wurde, ist für andere da zu sein, die nichts oder nur wenig haben. Dies wurde mir am Beispiel der „Hartz IV Empfängerin“ sehr eindringlich veranschaulicht. Ohne Hilfe von außen wäre ihr vieles verwehrt geblieben. Was ihr in ihrer Armut wirklich half, ist eine Hilfe, die sie unterstützt, ohne herabschauend zu wirken.
Wir müssen immer wieder neu unsere Augen öffnen, um dort zu helfen, wo es nötig ist!

Auch in der Jugendarbeit stellt Armut immer wieder erneut eine Herausforderung dar. Wie schaffen wir es ein umfangreiches Freizeitangebot zu schaffen ohne dabei andere auszugrenzen?
Das Angebot Freiplätze in Anspruch zu nehmen, bleibt von vielen, die es bräuchten, ungenutzt. Da sich viele ihrer Armut schämen, wird angebotene Hilfe allzu oft nicht angenommen. Auch hier zeigt sich, dass es wichtig ist, direkte Beziehungen zu den Betroffenen zu leben. Nur so kann man ihnen in Nächstenliebe Hilfe anbieten, für die sie sich nicht zu schämen brauchen.

Armut ist eine Herausforderung, die wir in der Jugendarbeit nicht umgehen können.

Allerdings stießen wir auch auf die Frage, wie Armut definiert wird. Arm sein umfasst nicht nur materiellen Mangel. So kann man geistlich Arm sein, Arm an Beziehungen sein, …

Doch oft führt materielle Armut zu gesellschaftlicher Armut.
Pfarrer Rolf Zwick brachte es folgendermaßen auf den Punkt: Materiell arm zu sein ist nicht das Schlimmste. Sondern das Schlimmste ist es, in vielem ausgeschlossen zu sein und nicht dazu zu gehören.
In meinen Augen haben es arme Kinder wohl am schwierigsten. Armut führt in der Schule nicht nur zu schwächeren Lernleistungen sondern auch zu schlimmem Mobbing.
Ausgeschlossen zu sein, aufgrund von Etwas, für das man nichts kann, ist wohl die schlimmste Ungerechtigkeit, die es gibt. Dieser müssen wir immer wieder aufs Neue entgegenwirken!

Melissa Schwab