Beate Bönninger

Der 2. Preis beim Playing Award 2011 ging an Beate Bönninger aus Esslingen für ihr Projekt “Kleine Leute in der großen Küche”.

Die Laudatio hielt Dr. Wiebke Lohfeld, Akademische Rätin an der Universität Koblenz-Landau im Fachbereich Bildungswissenschaften:

 

Kleine Leute in der großen Küche

 

Mit ihrem Playing Arts Projekt hat Beate Bönninger eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass ‘kleine Leute’ wenn man sie lässt ‘große Leute`sind und Räume sich verändern, wenn die Personen, die sich darin bewegen, zu wachsen beginnen. In einer ganz normalen Schulküche einer Berufsbildenden Schule hat sich spielerisch genau dieses ereignet: Schüler wurden zum Wachstum angeregt, haben sich den Raum angeeignet und verändert. Der ästhetische Ausdruck, der dafür gefunden wurde, hat sich in einer Bilderinstallation mit musikalischem Hintergrund dem Betrachter gezeigt. Darin: Bilder der ‘kleinen’ Leute in der Schulküche inszeniert und spielerisch leicht in Szene gesetzt.

 

Was ist darin so bemerkenswert? Beate Bönninger hat als Lehrerin verstanden, die Ideen ihrer Schüler ernsthaft aufzunehmen und damit gegen den gleichförmigen Strom der Institution Schule zu schwimmen. Es waren die Schüler die mit der behutsamen Begleitung ihrer Lehrerin ihre eigene Position im Raum Schulküche erspielt haben. Die Bilder zeigen die neuen Positionen, die ‘In-Beziehung-Setzung’ des Spielprozesses. Sowohl im ästhetischen Ausdruck, als auch im Prozess selbst wurde deutlich worum es hier geht: um Raumerkundungen mit aller Ernsthaftigkeit des eigenen Seins – und zwar mit Leichtigkeit und Spielfreude. Die Jugendlichen sind im Spiel in neue Landschaften und Beziehungen geraten wider dem schulischen Alltag. Der Humor der Bilder ist dem Betrachter eine Freude. Kann man so in der Schule spielen? Ja – man kann! Aber: nur, wenn man selbst als Lehrperson im Spiel ist mit den Impulsen, die einem begegnen. Das gilt in besonderem Maße für Beate Bönninger, die den Mut hatte, sich institutionellen Widerständen entgegenzustellen um im Interesse des Spiels und ihrer Schüler das Projekt durchzuführen, welches den Playing Arts Award gewonnen hat. Sie hat mit ihrem Engagement auch eine neue Perspektive für ihren Lehrerberuf aufgezeigt, die durchaus in der Lage ist, Irritationen hervorzurufen und diese positiv im Sinne der Schüler aufzugreifen.

Beate Bönningers Projekt verwirklicht eine wichtige Aufgabe, die in Playing Arts Projekten umgesetzt wird: es stiftet die Jugendlichen zu neuen Erfahrungsebenen an, zur Entdeckung von Neuem. Dabei ist die Herangehensweise davon getragen, dass Beate Bönninger das Risiko eines ungewissen Verlaufs nicht scheut, dass sie sich in dem Vertrauen auf die Kraft des kreativ-schöpferischen Spielprozesses auch auf ungewöhnliche Wege begibt – und zwar nicht nur für sich selbst, sondern für ihre Schüler. In Playing Arts Prozessen ist ja gerade die Begeisterungsfähigkeit für das Spiel entscheidend dafür, dass andere angesteckt werden und sich begeistert und vertrauensvoll einlassen können. Die Ergebnisse dieses riskanten Unternehmens sind beeindruckend: sie zeigen zwar ‘kleine’ Leute, aber man sieht ihnen schon an, dass diese Erfahrung sie hat größer werden lassen. Dieses Projekt berührt daher die Betrachter und verdient den Playing Arts Award absolut gerechtfertigt. Herzlichen Glückwunsch Beate Bönninger! Weiterhin viel Mut und Tatkraft für die Verbindung eigener Spielfreude und der Anstiftung von anderen für ‘groß’artige Projekte in Rahmen, die gesprengt werden wollen.

Dr. Wiebcke Lohfeld