Blaues Licht und blaue Linien

Es ging darum, den von dem Plochinger Künstler Wolfgang Thiel gestalteten Stillen Raum im Hölderlin-Gymnasium in Nürtingen zu bespielen. Zwei Schulstunden standen zur Verfügung 24 SchülerInnen kurz vor dem Abi und 4 LehrerInnen waren dabei. Zuerst ein Warming up auf der Bühne der Aula, dann ein stiller Gang in den Raum, einzeln und mit Abstand und mit der Bitte, mit blauem Kreppklebeband an die vorhandenen Linien mit eigenen Linien anzudocken. Die graue Betonwand, der graue Fußboden und die grauen Sitzwürfel eigenen sich wunderbar dafür, das blaue Lichtband im Fußboden unterstützt die eigenwilligen Linien noch.

Dann kommt Psalm 30 ins Spiel. 40m Text, handgeschrieben auf Kassenrollenpapier. Alle lösen sich ein Zufallsfragment aus dem Psalm heraus, reißen es heraus und reduzieren dies nochmals auf 2-4 Worte. Alle Teile des Psalms sind noch im Raum – als Fragmente, als Fetzen. Nun entstehen daraus eigene Texte in vierminütigem ununterbrochenem Schreiben. Das eigen Psalmfragement war der Anfangsimpuls. Auch aus diesem eigenen Text wird ein Fragment herausgelöst und im Gewirr der blauen Linien platziert.

Der ganze Psalm in seinen vielen Einzelteilen liegt in den Händen aller. Während einer langsamen Lesung wird Stück für Stück, Fragment für Fragment auf den 9 Würfeln abgelegt, jedes Fragment erst dann, wenn es gelesen wird. So findet sich der Psalm wieder zusammen auf den 9 Würfeln.

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