Nein, eine Playing Arts-Aktion war das nicht, jedenfalls hat sie niemand so genannt. Hätte aber gut sein können. Gabriela Oberkofler bat schon auf der Einladungskarte die Besucherinnen und Besucher des Boller Bußtags der Künste, ein Geheimnis mitzubringen. Im Laufe des Nachmittags waren alle eingeladen, in einem extra Zimmer das mitgebrachte Geheimnis auf ein farbiges Papier zu schreiben und dieses zu falten oder zu knüllen. Zusammen mit einer selbst gewählten Rose kam beides in ein Einmachglas mit Deckel. Mit aufgeklebtem Deckel wurde das Glas in einem Wandregal platziert. Das war ihr künstlerisch-performativer Beitrag zum Bußtag in der Evang. Akademie Bad Boll.

Jetzt kamen aber die Fragen erst auf: Untereinander interessierte man sich dafür, ob jemand denn wirklich ein Geheimnis preisgegeben und aufgeschrieben habe, was denn das charakteristische eines Geheimnisses ist und ob man darauf vertrauen kann, dass die Gläser wirklich nie wieder geöffnet würden, wie Gabriela Oberkofler es vorher versichert hatte. Das Regal enthielt zum Schluss über 60 Gläser – über 60 Geheimnisse. Besonders spannend, auch anrührend war es, vor dem Regal den Geheimnissen gegenüber zu stehen, die Spannung der Neugier zu spüren und dennoch akzeptieren zu müssen, dass die verschlossenen Gläser keines der Geheimnisse preisgeben werden.
Gabriela Oberkofler lebt in Stuttgart.


