Eberhard Fuhr

Überraschung aus dem Unterholz

Freitag, den 22.04.2011 (Karfreitag)

Wieder mal Hallo zusammen,
das Internet hier in in Maun im Serida Hotel ist mehr als langsam. Ich konnte gestern die Bilder nicht mehr schicken. Alle wollten ins Internet und da wurde es sehr, sehr langsam. Ausserdem war die Bildgröße zu groß und musste alles ändern.

Aber der Reihe nach. In den letzten Tagen seit Livingstone ist wieder so viel passiert bzw. hat sich ereignet, dass ich es nur mit Mühe in der Form eines Berichtes zusammenbringe, zumal ich zur Zeit einfach nur müde bin. Der Durchfall ist wieder zurück. Auch bei anderen. Ich werde heute am Karfreitag noch abwarten, wenn es besser wird, dann ist es gut, wenn nicht, dann werde ich Antibiotika nehmen.

Ein Elefant komt aus dem Unterholz

Ein Elefant komt aus dem Unterholz

Kurz nach der „Ausfahrt“ von Livingstone Richtung Kazangula und Kasane, die Stadt lag gerade mal 5 Minuten hier mir, brach aus dem Gebüsch links von mir aus dem Unterholz ein Elefant. Die Gewalt mit der er sich durch das Gebüsch vorwärts brach, war beeindruckend. Dann wurde mir bewusst, dass das nicht ganz ungefährlich sein könnte. Ich fuhr schneller um noch vorbei zu kommen. In 100 Meter Entfernung blickte ich zurück, Der Elefant hatte sich den hinter mir fahrenden Radlern zugewandt. Die drehten alle schleunigst um. Der Elefant trompete wie wild und schlug mit den Ohren und vollführte auf der Straße einen wilden Tanz. Dem wollte ich nicht zu nahe kommen. Irgendetwas hatte ihn aufgeregt oder er wollte etwas beschützen. Diese Begegnung sollte die einzige auf dem Elefant-Highway sein. Aber die reichte mir auch für diesen und die folgenden Tage.

An diesem Tag standen „nur“ 94 km auf dem Programm, die Fähre war auch relativ schnell über den Chobe River, denn ich hatte auch einmal etwas Glück und kam gerade rechtzeitig zur Abfahrt an, andere mussten über 1 Stunde warten. Als ich zum Camp kam, bogen andere gerade wieder ab und fuhren in Richtung Kasane. Ach da fahre ich gleich mit und tausche Geld. Hier sind wir in Botswana und wir müssen nichtmehr Kwacha sondern in Pula bezahlen. Aber die anderen bogen in eine Hotel-Logde ein. Ich halt einfach mal hinterher. Wir kamen auch an einen wunderschönen Platz. Herrliche Aussicht auf den Chobe. 2 Tassen Kaffee und 2 Muffins. Hier bekam ich dann den ersten Eindruck, welches Preisniveau in Botswana gilt: 60 Pula, was umgerechnet ca. 8 € sind.
Nachmittags dann noch einkaufen im Spar (trotz Palmsonntag) und dann sollte noch ein Höhepunkt kommen. Wer wollte, konnte an einer Bootsfahrt auf dem Chobe teilnehmen (35 $). Das war nun für mich schon auch wieder ein beeindruckendes Erlebnis. Vom Boot aus Elefanten, Krokodile, Hippos, Fischadler, Kundus und Impalas zu sehen. Bei der Rückfahrt dann einen fantastischen Sonnenuntergang. Die Konsequenz dieses schönen Tages war dann, dass wir erst bei Einbruch der Dunkelheit im Camp ankamen. Hungrig. Aber die Spaghetti mussten erst noch gekocht werden. Es folgte eine lange Unterweisung von einem Ranger, was wir tun sollten, wenn an der Straße Elefanten oder gar Löwen auftauchen würden. Es wurde sehr spät!

Junges Krokodil

Junges Krokodil

Am Montag standen dann 159 km auf dem Programm. Endlose Straßen, kein rollender Asphalt, sondern sehr rauh und holprig. Immer gerade aus. Immer gerade aus. Nichts. Kein Elefant, wenige Autos, viel Sonne, Wind immer schräg von vorne, selten mal Rückenwind. 3 x hatte ich den Peleton verpasst. Als der „Refresh“ anstand, kam gerade eine Gruppe zur Weiterfahrt. Stoppen und trinken oder mit den anderen Weiterfahren? Ich fahre mit den anderen. Aber die hatten eine Pause. Ich konnte das Tempo nicht lange mitgehen. Nach 159 km kein Camp. Kein anderer Fahrer. Ich mache weiter. Bis 175 km will ich fahren. Dann ist Schluss. Nach 172 km endlich das Camp.

Der Ranger hatte am vorgesehenen Platz Löwenspuren gefunden und geraten, das Camp zu verlegen. Jetzt campen wir halt auf dem Bolzplatz der Straßenbauarbeiter. Sand. Nur Sand. Keine Dusche. Regen in der Nacht!

Am Dienstag sollten es dann 12 km weniger sein, die hatten wir ja schon am Tag zuvor. Es waren dann letztlich aber doch wieder 147 km bis zum Camp. Straßen und Asphalt – 130 km Baustelle mit vielen Trucks. Der Asphalt dem entsprechend sehr mitgenommen. Wir kommen im Camp an. 9 km vorher noch eine Tankstelle mit der Möglichkeit zum einkaufen.

Ich beschließe für mich: Heute Nacht regnet es nicht. Ich mache deshalb das Überzelt nicht drauf. Prompt in der Nacht kommt ein gewaltiges Gewitter. Schnell die Plane drüber. Aber eben in der Dunkeln und bei Regen. Ich schlafe eigentlich ruhig weiter, obwohl der Donner und das Grollen schon gewaltig sein. Wahrscheinlich habe ich im Dunkeln nicht sorgfältig genug gearbeitet. Morgens stelle ich fest, dass das Zelt innen unter Wasser steht. Alles ist nass!! Es regnet und 188 km stehen auf dem Plan. Aufstehen, Augen auf oder zu? Einige sagen: heute fahre ich nicht. Ich habe doch  Urlaub. Ich versuche es.
Nach 5 km hört der Regen auf. Zunächst habe ich auch Rückenwind. Es läuft eigentlich ganz gut. Nach 150  km denke: das schaffst du noch. Bis 15.00 Uhr bist du im Camp. Aber der Schlafsack und alles andere ist klatsch nass im Locker. Nach 153 km kommt der Lunchtruck. Kurz entschlossen strecke ich den Daumen nach unten. Das ist hier das Zeichen: ich will mitfahren. Ich steige in den Truck und fahre erleichtert mit.

Unser Camp liegt irgendwo an einem „Feldweg“. Wir sollen nur links und rechts unser Zelt aufbauen. Es könnte sein, dass Autos die Straße passieren müssen. Und genauso kommt es. Ich dachte, dass ich etwas über lange Straßen gelernt hätte. Heute kam aber eine neue Dimension hinzu. Die meiste Zeit konnte ich nicht sehen, wo die Straße weiterführte. Sie verschwand einfach in der Ferne. Bei jeder leichten „Kurve“ nach links freute ich mich schon. Das bedeutete, etwas mehr Rückenwind. Bei jeder leichten Rechtskurve bedeutete das, dass der Wind von der Seite und von vorne kam.

In der Nacht kam dann auch wieder die Übelkeit, der Durchfall und das Gefühl von unendlicher Schwere und Müdigkeit. Kein Appetit. Jeder Gedanke an Essen verursachte nur Ekel. Ich beschließe am nächsten Tag mit dem Lunchtruck zu fahren und „nur“ die 2 Hälfte mit dem Fahrrad nach Maun zurückzulegen. Es läuft zwar einigermaßen gut. Aber in Maun komme ich nach 66 km ziemlich erschöpft und ausgelaugt an.

Ich muss jetzt eine Pause einlegen. Die Übelkeit und die Müdigkeit kommen wieder. Eigentlich wollte ich nach einem Gottesdienst hier fragen, aber das ist einfach nicht möglich.

Maun am 21.04.2011 um 11.15 Uhr per E-Mail
Redaktion: Eberhard Fuhr

Weitere Informationen:

Von den Viktoria-Fällen (Sambia) nach Windhoek (Namibia)

 

Start:
Am 18.04.2011 bei den Victoria-Fällen (Sambia)
Ziel:
Am 29.04.2011 in Windhoek (Namibia)
Dauer:
12 Tage
Entfernung:
1.539 km
Ruhetage:
23.04.2011: Maun
29.04.2011: Windhoek

Eberhard Fuhr

Der Truck ist angesagt

Donnerstag, den 14 April 2011

In Lusaka

Nun sind wir also in Livingstone bei den Viktoria Falls angekommen. Seit dem Start in Lusaka am Dienstagmorgen hat sich wieder einiges ereignet. Schon am Montagabend machte sich mein Magen bemerkbar. Zunächst gar nichts Besonderes. Der Start für die angesagten 158 Kilometer verlief durchaus akzeptabel. Der Verkehr aus Lusaka heraus morgens um 6.00 Uhr hielt sich in Grenzen. Nur die ungewohnten roten Ampeln hielten uns etwas auf. Die Angaben waren relativ einfach: den ganzen Tag die gleiche Straße, mal eine kleine Kurve, dann wieder geradeaus. Die Landschaft hat sich total verändert. Bis ca. 30 km vor Lusaka waren größere Hügel die Regel. Es ging da ständig auf und ab. Jetzt wird alles sehr viel flacher, keine Berge, keine Hügel, mal 20 Meter rauf, dann wieder etwas runter. Vor Lusaka gab es viele kleine Dörfer und deshalb auch Märkte und etwas zu trinken. Jetzt werden die Abstände immer größer. Es gibt größere und auch durchaus gepflegtere Städte. Dazwischen aber 30 – 40 Kilometer nichts. Ab und zu kommt der Eingang zu einer Farm. Die Rinderfarmen hier scheinen sehr viel größer zu sein und auch eingezäunt. Der Tarmac, der Asphalt rollt leicht. Der Wind kommt leider nicht immer von hinten, aber auch nicht direkt von vorne.

Eine Pause ist angesagt

Nach der Ankunft im Oasis Camp bin ich erschöpft. Irgendwie stimmt etwas nicht. Und dann kommt der …. mit Macht. Ich bin öfter auf der Toilette, als mit lieb ist. Irgendwie habe ich auch keinen Appetit. Bin einfach nur müde, müde, müde,…

Den Mittwoch nehme ich trotzdem in die Pedale. Immerhin ist jetzt das Frühstück von 5.30 Uhr auf 6.00 Uhr verlegt. Aber wir kommen deshalb auch erst um 6.30 Uhr auf die Straße. Nach 75 ermüdenden, anstrengenden Kilometern erreiche ich endlich den Lunchtruck. Keinen Meter mehr weiter. Einfach sitzen und schlafen. So erbärmlich habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Das Zelt aufbauen nach Ankunft im Camp geht nur sehr langsam. Ich suche mir einen Platz in der Nähe der Toilette. Das Klopapier ist ständig griffbereit. Trotz allem schlafe ich ziemlich gut. Mein Essen beschränkt sich auf  zwei Scheiben Toastbrot und zwei kleine Kartoffeln, mehr ist nicht drin.

Der nächste Tag (Do.) ist klar: kein Kilometer mit dem Rad. Der Truck ist angesagt. Trotzdem: Zelt abbauen, alles verpacken (wo ist das … papier. Toilette besetzt. Truck wartet. Schon wieder Stress.

Noch ein sehr kurzer Kommentar zum Wetter: Wir scheinen die Regenzeit hinter uns gelassen zu haben. Die letzten Tage war es tagsüber stabil warm bis sengend heiß. Sobald aber jetzt die Sonne untergeht, wird es doch recht kühl. Nach 18.00 Uhr ist eine Fließjacke durchaus angenehm. Nachts brauche ich jetzt den Schlafsack. Der ist angenehm warm. Davor ist es dank dem klaren Himmel morgens frisch und damit Tau und dadurch das Zelt  sehr durchnässt. Das wird jetzt eher zunehmen. Seit ich also unterwegs bin habe ich das Zelt höchstens 1-3 x trocken einpacken können. 

In Livingstone angekommen, kann ich mir beim Zelt aufbauen Zeit lassen. Kaum steht mein Zelt, kommen die schnellsten Fahrer völlig entspannt ins Camp. Es ist 11.00 Uhr. Die letzten werden erst gegen 16.00 Uhr ankommen. Heute Mittag kam dann plötzlich der Hunger. Vorher hatte ich nur das Bedürfnis zu schlafen und nichts zu tun. Und es blieb alles drin! Langsam, ganz langsam kommen auch die Kräfte wieder.

Kommentar zu Duschen, Wasser und Toiletten:
Oh Afrika. Deine Duschen und Toiletten hatten auch schon bessere Zeiten. Oder? Entweder fehlt das Wasser, weil keines da ist, oder weil die Leitung nicht funktioniert. Wenn es dann gut geht, steht eine Tonne und ein Eimer daneben. Oder die Spülung ist so konstruiert, dass eine Unmenge an Wasser verbraucht wird, bis tatsächlich gespült ist. Da ist es dann bei 70 Leuten nicht selten, dass nicht alles gespült ist. Auch der Boden sieht dann entsprechend aus. Auch die Türen sind nicht das was wir uns unter Türen vorstellen. Toilettenpapier ist höchst selten anzutreffen. Tunlichst sollte jeder sein eigenes dabei haben. Duschen kann auf sehr unterschiedliche Weise gemacht werden. Kalt Wasser, Pumpe, Wasserfass, Eimer und Schüssel. Die Umgebung kann einladend oder aber nicht unbedingt Vertrauen erweckend sein.  Fazit bleibt aber: auch eine „Dusche“ ist auf jeden Fall besser als keine!! Insofern ist hier jeder dankbar, wenn es die Möglichkeit zum Duschen gibt. Wobei der Wasserverbrauch individuell sehr verschieden ist.

Werner Bitzer am 14.04.2011 per E-Mail aus Livingstone
Redaktion: Eberhard Fuhr

Weitere Informationen:

Eberhard Fuhr

Rücksichtslose Busfahrer

Montag, 11. April 2011

Ein paar Notizen zum gestrigen Tag.
Nach dem ich das Internetcafé gestern verlassen habe, bin ich über die Mall geschlendert. Ich konnte nicht verstehen, wo ich gelandet bin. Es ist hier eine andere Welt in der Mall. Hier kannst du alles bekommen. Etwas teurer – aber alles, was jeder so „braucht“. Ich bin also in den „Spar“. Der ist so riesig, dass unser „Netto“ eine Nebenabteilung ist. Das erschlägt mich fast. Nach langem Suchen und Schlendern habe ich dann folgendes eingekauft:

  • 2 Äpfel (Neuseeland)
  • 1 Fl. Saft
  • 1 Fl. Wasser
  • 1 Fl. Cola
  • 1 Fl. Wein (Südafrika)
  • 2 Tafel Schokolade (wirklich gut)
  • 1 Kuchen

Zusammen 76.000 Kwacha (entspricht so ungefähr 20 €)

Vielleicht noch ein paar Worte zu den Überlandbussen hier. Das sind wirklich gefährliche rollende Fahrzeuge. Hier tut jeder gut daran, diesen Geschossen aus dem Weg zu gehen. Die Fahrer heizen über die Landstraße, als ob ausser ihnen niemand unterwegs sei. Manchmal habe ich eine richtige Wut auf diese rücksichtslosen Fahrer. Ein Radfahrer zählt hier nichts – aber auch rein gar nichts.

Die nächsten Tage versprechen auch ziemlich hart zu werden. Morgen stehen 158 km auf dem Programm. Am Mittwoch dann 188 km und am Freitag 152 km. Dann werden wir in Livingstone ankommen und zwei freie Tage haben. Je nachdem wie der Wind, der Tarmac, die Hitze, der Verkehr, die Hügel, Berge oder was auch immer sein werden, wird die Strecke ganz unterschiedlich ausfallen.

Ich fühle mich zwar etwas müde, aber sonst eigentlich ganz ok. Ich freue mich wieder in den Sattel zu steigen. Bisher kein Plattfuß, keine Probleme mit dem Rad. Dem Hinterteil tun die Ruhetage schon ganz gut.

Ansonsten gibt es nicht viel Neues zu berichten.

Werner Bitzer am 11.04.2011 per E-Mail aus Lusaka
(Redaktion: Eberhard Fuhr)

Eberhard Fuhr

Notizen und Versuch eines Berichtes

Mittwoch, den 6. April 2011
152 km / 700 Höhenmeter / 6 Stunden Fahrzeit /Start 6.00 Uhr Ankunft 13.30 Uhr
Gutes Wetter, angenehme Temperatur (ca. 26 Grad) fühle mich sehr gut.
Nehme die Malaria Prophylaxe jetzt nicht mehr abends, sondern nach der Ankunft mittags. Seither geht es mir mit der Verdauung besser
Die Straßen sind meistens flach, guter Wind, Trinkflaschen morgens vergessen, abends auf dem Truck wiedergefunden. Deshalb heute 4 Cokestopps. Grenze problemlos. Habe ich mich beim Umtausch übers Ohr hauen lassen?
Abends Regen. Zeitweise starker Gewitterregen. Ausgerechnet beim Essen.
Es gab gute Lasagne. Bin gespannt, wie es morgen wird. 177 km und 1.000 Höhenmeter

Donnerstag, 7. April 2011 aus Petauke
Wunderbarer Sternenhimmel. Kreuz des Südens. Drei Teilnehmer waren interessiert.
Dusche möglich, aber wie. Neue Währung, umrechnen …

Freitag, 8. April 2011
Letztes Cmp auf 450 mtr.
Sehr heiss, nicht sehr schön
Bin 3 km zurück und Bier getrunken.
Nettes Gespräch mit Eric
Dusche mit der Pumpe
Wasserverbrauch
Durst ohne Ende
Mit Tuch zugedeckt in den Morgenstunden

Samstag, 9. April 2011

Versuch eines Berichtes
Nun sitze ich also am Samstagabend im Zelt. Draußen nieselt es leicht. Es ist 19.00 Uhr. Ich bin ziemlich müde. Heute war ein sogenannter Mando-Day. Es standen 148 km und 1.800 Höhenmeter auf der Tagesordnung. Der Start heute morgen war wie üblich um 6.00 Uhr. Das Zelt vom Regen der letzten Nacht noch feucht und nass. Aber was soll’s „stopp it in“, also einfach einpacken. Immerhin ist es zum Frühstück (im Dunkeln) trocken. Millipup, Sirup, Banane genehmige ich mir heute. Aber ich packe vorsichtshalber wieder meine Regenjacke ein. Der Himmel ist bedeckt. Keine Sterne zu sehen. Und ich werde sie doch brauchen. Der Anfang ist ziemlich hart. Für die ersten 18 km brauche ich fast ein Stunde. Es geht ständig auf und ab. Aber mehr auf als ab. Die Füße sind noch schwer. Sie wollen einfach nicht in die Gänge kommen. Aber den anderen geht es vermutlich genauso. Die meisten kommen auch nicht schneller voran. Ständig geht es auf und ab. Das strengt sehr an. Nach 30 km kommen wir über eine Brücke. Es wurde uns gesagt, dass wir ja nicht fotografieren sollten. Aber wer steht mitten auf der Brücke bei fotografieren? Eine Mitarbeiterin der TDA.
Kurz danach ein Dorf. Mit vielen Verkaufsständen und getrockneten Fisch. Fast alle machen halt, trinken etwas und machen viele Bilder. Danach geht es steil bergan. Immerhin geht es jetzt besser. Lange Steigungen sind besser zu verkraften als dieses ständige auf und ab.
Wir sollen uns für Hotel in Kapstadt einen Partner suchen.
Ebenso für den Peloton für die Zeit nach Lusaka und in Botswana
Jetzt 4 Wochen unterwegs.
2.700 km liegen hinter mir und  22.000 Höhenmeter

Werner Bitzer per E-Mail am 10.04.2011 aus Lusaka
(Redaktion: Eberhard Fuhr)

 

Von Lilongwe zu den Viktoria-Fällen

Start:
Am 06.04.2011 in Lilongwe (Malawi)
Ziel:
Am 16.04.2011 bei den Victoria-Fällen (Sambia)
Dauer:
9 Tage
Entfernung:
1.215 km
Ruhetage:
12.04.2011: Lusaka
16. – 17.04.2011: Victoria-Fälle

Die ejw-Weltdienst-Tour 2011

Eberhard Fuhr

Ein Schwabe in Lilongwe

Montag, den 02.04.2011

Das ist die Hauptstadt von Malawi. Sie soll so ca. 650.000 Einwohner haben. Dazu muss man wissen, dass es eine neue City und eine alte geben soll. Der Schwabe ist in der Nähe der alten City.

Es ist Ruhetag. Relaxen – also erholen angesagt. Was ist das? Die Wäsche ist gewaschen. Was also tun? Also einkaufen gehen. Aber wie macht man das? Einige sagen sie seien in Nairobi zum Frühstück ins Sheraton gegangen. Aber in Lilongwe gibt es das nicht. Also was tun? Ach so, es gibt ja die erfahrenen. Also fragen, was die machen. Ok ein Arrangement ist schnell getroffen. Er muss nur noch kurz sein Bike durchchecken und dann gehen wir in die Stadt. Es sind aber viele, die so denken. Also muss jeder in die „line“, also in die Warteschlange. Das dauert dann von 9.00 Uhr bis 13.30 Uhr. Was macht man sooooo lange? Sich über die Probleme Afrikas austauschen: Staatsführer, Korruption, Internationale Banken, Entwicklung, Veränderungen.

Dann ist es so weit. Wir gehen. Kurz noch die Kwachas zählen (so heißt die Währung hier, von der ich vorher noch nie etwas gehört habe – geschweige denn den genauen Umrechnungskurs kenne). Oh mein Partner muss noch Dollar in Kwacha umtauschen. Kein Problem. Wir fahren also in die City. Bank schnell gefunden. Ich warte, bis du wieder kommst. Nach 30 Minuten Dauergespräch mit den üblichen Verkäufern und dem vergeblichen Versuch das Gespräch zu beenden, kommt mein Partner. Nach der üblichen Warteschlange und dem 3. Schalter wurde sein Reisepasse verlangt. Den hatte er nicht dabei. Also nichts mit Kwachas. Später erzählt er, dass er die Dollar in einer Wechselstube in 2 Minuten umgetauscht hat.

Das Internetcafe oder Cyberplace haben wir schnell gefunden. Nach einer Stunde bin ich fertig. Mein Partner noch nicht ganz. Ich bin ich 30 Minuten wieder hier. Genau gegenüber ist ein großer Supermarkt einer deutschen Handelskette. Nach dem Dauergespräch mit den Verkäufern steht mir nicht mehr der Sinn nach Market. Ich bin erstaunt über das Gewühle. Ich komme mir sehr verloren vor. Was brauche ich? Was will ich? Ich weiss es plötzlich nicht mehr. Etwas zu trinken! Kekse, Joghurt! Schokolade ist nicht zu finden. Was zum trinken? Saft, Coke, oder…. in welcher Größe? Gekühlt??

Das sind bei dieser Hitze und bei diesem Gewühle zu viele Entscheidungen auf einmal. Warum bin ich hier allein? Wie würde der Vater sagen? Eine Frau muss her! Ich und Shopping?! Wenn ich das in Deutschland nicht mag – wo ich mich etwas auskenne – warum soll ich es dann in Lilongwe in Malawi lieben?

Ich finde was ich brauche. Oder meine zu brauchen. Mit zwei Tragtüten zum Fahrrad. Durch den Verkehr in der Hitze zurück?! Bin ich denn wahnsinnig? Im Camp glücklich angekommen (mit kompletten Tragtüten!) frage ich mich wieso ich diesen schönen Ort verlassen habe. Ist es die Möglichkeit so dumm zu sein? Aber ich will ja etwas trinken und essen. So ist das halt in Afrika.

Heute stand noch eine schwierige Entscheidung an. Die Linse meiner Digikamera hat Sprünge. Warum? Wieso? Keine Antwort. Es ist halt so. Was tun? Eine neue kaufen? Schon wieder eine Entscheidung treffen. Also los es nützt nichts. Fotogeschäft bald gefunden. Kein bezahlen mit Kreditkarte möglich. Also zur Bank. Lange Schlangen. Von zwei Automaten funktioniert nur einer. Der Automat akzeptiert meine Karte nicht. In die Bank zum fragen, was da los ist. Oh mit dieser Karte muss ich zur nächsten Bank. Wieder die Schlangen. Endlich bin ich dran. Ich muss mich drei Mal einloggen, denn maximal sind auf einmal 20.000 Kwacha möglich. Mit einem großen Bündel Geldscheinen verlasse ich die Bank. Digikamera gekauft. Jetzt muss ich lernen damit umzugehen. Batterien laden usw. Alles nicht so einfach.

Werner Bitzer am 5.4.2011 per E-Mail
Redaktion: Eberhard Fuhr

Eberhard Fuhr

Rasante Abfahrten – harte Anstiege

Freitag, 1. April 2011

Heute war also der „Mando-Day“:
Ein sehr schwerer Tag sollte uns erwarten.

Die nackten Daten: 126 km (Start in Mzuzu), 6 Stunden Fahrzeit ohne die Pausen. Durchschnitt 20,44 km, Höhenmeter 1.941 Meter, max Geschwindigkeit (bergab) 65,5 km, gestartet auf ca. 1.400 Meter. Höchster Punkt über 1.900 Meter. Jetzt in Luvori-Camp auf ca. 1.600 Meter.

Heute Morgen das nasse Zelt einpacken. In der Nacht hatte es geregnet. Ich habe schlecht geschlafen, weil ich ringsum von Schnarchern umgeben war. Zum Frühstück hatv es mir gereicht. Um 6 Uhr bin ich gestartet. Es war noch sehr ruhig in der Stadt. Kaum Verkehr, aber es war nass und sehr neblig. Die ersten Anstiege ließen nicht lange auf sich warten. Der Nebel wird immer dichter. Wunderschöner Wald links und rechts sehr gute Straße. Es warteten keine „singing wells“ oder „rolling hills“ auf uns. Ständig ging es steil berauf und steil bergab. Wir kommen durch eine wunderschöne Landschaft, aber zu sehen sind nur die 100 Meter links und rechts der Straße. Der Nebel wird immer dichter. Viele Waldarbeiter sind beim Holzmachen. Die Stämme werden noch mit der Handsäge an Ort und Stelle zersägt. Auf 1.900 Meter wird mir fast kalt. Endlich nach 70 km, so gegen 10.00 Uhr, erreiche ich den Lunchtruck. Heute esse ich viel. Ich habe richtig Hunger. Nach 20 Minuten fahre ich weiter. Wer weiß, welche Überraschungen noch kommen. Und schon ist die Sonne da und eine große Hitze. Weiter geht es mit rasanten Abfahrten und noch mehr harten Anstiegen. Jetzt kommt auch noch stellenweise Gegenwind auf. Meine Füße machen mit. Aber es geht langsam den Berg hoch. Endlich das Camp. Wunderbar. Geschafft. Über die „speedbumps“ bin ich zum Schluss nur noch drübergebrettert. Kein Halten mehr.

Die letzten kommen über 3 Stunden später, bin so als 17. im Camp. Ich fühle mich gut. Angestrengt, aber nicht ausgepowert. Der Durst ist groß. Das Wasser muss aufgefüllt werden. Unterwegs hat es zum Schluss nur noch getropft. Der letzte Anstieg zum Camp hat nochmals alle Willenskraft gefordert.

Bei den Gesprächen erfahre ich, dass einer der Teilnehmer von einem Truck vom Rad geworfen wurde. Er hat sich glücklicherweise nichts gebrochen. Als ich mit ihm redete sagte er mir, dass ihm meine Geschichte in dem kurzen Augenblick geholfen hat. Er hat richtig reagiert. So schnell kann es gehen.

Morgen wird es nicht ganz so schwer, nur 109 km stehen auf dem Programm.

Werner Bitzer per E-Mail am 02.04.2011
Redaktion: Eberhard Fuhr

Weitere Informationen:

Eberhard Fuhr

Wunderschöner Radlertag

Donnerstag, 31. März 2011

Nun sitze ich also im Internetcafé in Mzuzu. Dies liegt in Malawi in den Bergen so auf ca. 1.450 Meter Höhe. Heute haben wir 135 km hinter uns gebracht. Dazu noch ca. 1.500 Höhenmeter Aufstieg. Das ist mir richtiggehend leicht gefallen. Heute Nacht hat es wieder mal geregnet. Aber als wir dann um 5.00 Uhr aufgestanden sind, war das meiste schon wieder trocken. Gestern Abend hat es noch für 5 $ ein gutes Abendessen gegeben. Das war lecker, dazu habe ich mir ein Glas Rotwein gegönnt und konnte richtig gut schlafen.

Größere Kartenansicht von Mzuzu

Als wir dann heute Morgen gegen 6.30 Uhr richtig losgefahren sind, waren zuerst 16 km am See entlang zu bewältigen, das war richtig schön. Dann kam auf 10 km ein Anstieg mit ca. 600 Höhenmeter. Was dann folgte war einfach traumhaft. Einen Fluss entlang in schöner Steigung mit Rückenwind. Als dann die wirkliche Höhe erreicht war, dann ging es in leichten Wellen (den berühmten „Singing Wells“) mit kräftigem Rückenwind weiter. Ich und eigentlich wir alle hatten einen wunderschönen Radlertag. Rückenwind, leichte Steigungen, traumhafte Landschaften, Cokestopps zur richtigen Zeit und meistens Sonne. Ab und zu kam doch ein leichter Regenschauer, aber das beeinträchtigte den Tag in keinster Weise. Wenn das so weitergeht, dann ist das wirklich das reinste Vergnügen. Auch die Menschen hier in Malawi sind mehr als freundlich. Es macht richtig Spaß. Am See scheint es etwas ärmlicher zu sein, aber hier in den Bergen sieht man eher gut gekleidete und sehr attraktive Menschen.

Im See konnte oder wollte ich nicht baden, wegen der Gefahr der Bilharziose. Ich habe mir eigentlich vorgestellt, dass ich einmal gerne Fisch essen würde, aber dieser Wunsch ging leider nicht in Erfüllung.  Im Dorf am See war die Cholera ausgebrochen und da bin ich dann doch lieber im Camp geblieben. So ein Tag am Strand mit Nichtstun, das ist für mich eher anstrengend. Die Straßen in Malawi sind gut und der Verkehr hält sich sehr in Grenzen. Es gab keine gefährlichen oder sonstige Begegnungen im Verkehr. Meistens komme ich so als 20 oder 25igster ins Camp. Die letzten kommen oft mehr als 2 Stunden später. Heute kann ich keine Bilder liefern, diese kommen dann gesammelt aus Lilongwe. Aber ich kann euch versichern – die Landschaft und die Menschen hier sind wunderschön. Die Regenzeit soll sich nun langsam dem Ende zuneigen. Das wäre schön, wenn es etwas beständiger werden könnte. Aber das macht mir in der Zwischenzeit nichts mehr aus.

Mir geht es also wirklich gut. Ich danke Gott von ganzem Herzen, dass ich das so erleben und erfahren kann. Ach ja – gestern habe ich bei Viktor gesehen, dass er ein spezielles Buch in der Hand hatte. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass seine Freundin ihm in ein Tagebuch die Losungen kopiert und eingeklebt hatte. Es sind so viele kleine Erlebnisse und Eindrücke.  Jeder Tag ist ausgefüllt. Jeder Tag konfrontiert mich mit meinen Vorstellungen, Erwartungen, Traume. Ich komme manchmal erst abends dazu das alles einigermaßen zu verdauen und zu verarbeiten.

Werner Bitzer am 31.03.2011 per E-Mail aus Mzuzu (Malawi)
(Redaktion: Eberhard Fuhr)

Weitere Informationen

Eberhard Fuhr

Die Presse berichtet

Heute ist ein Artikel über Werner Bitzer im Reutlinger General-Anzeiger erschienen:

Gestern erschien ein Artikel von Hardy Grüne bei NZZ-Online.

Hardy Grüne ist bekennender Fußballfan. Seit mehr als zwanzig Jahren packt ihn mit schöner Regelmäßigkeit das Reisefieber und seit mehr als zehn Jahren verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben über Fußball.

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