Archiv für die Kategorie "08: Windhoek-Kapstadt"

Eberhard Fuhr

Das Normale wieder schätzen lernen

Hallo zusammen,
nun kommt also mein „letztes“ E-Mail aus Afrika. Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhr ich heute  mit dem Taxi zum Cable Car. Von dort ging es dann in 2 Stunden auf den „Gipfel“ des Tafelberges. Leider war die Aussicht doch etwas getrübt. Nach einem Kaffee und einer Schokoladentorte musste ich mich entscheiden: 95 Rand (ca. 25 EUR) für die Talfahrt oder 90 Minuten wieder zurücklaufen. OK lieber anschließend ein Eis essen und zu Fuß. So kurz nach 15 Uhr war ich dann wieder unten.

Soll ich noch nach Observatory fahren, oder gleich ins Hotel? Also nach dem besagten Eis ging es dann nach Observatory zum einkaufen. Es klappte auch alles, so wie ich mir das gewünscht und vorgestellt hatte. Endlich auch einmal richtige Entscheidungen getroffen. Nun kann ich beruhigt packen, essen, schlafen und auf das Taxi um 14.00 Uhr morgen am Dienstag warten (ist schon bestellt). Um kurz vor 18.00 Uhr soll dann der Flieger starten. Ich warte dann wieder auf das was ich jetzt „surprises“ nenne. Also was für Überraschungen oder unerwartete Ereignisse werden noch kommen? Oder wird tatsächlich jetzt alles vollends normal verlaufen? Nachher werde ich hier im Restaurant noch nach einer Portion „Spätzle“ mit Soße fragen. Das ist mir jetzt lieber als alle Fleischspeisen.

Noch ein paar „philosophische“ Gedanken:
In den letzten Tagen ist mir immer wieder während des Radelns der Vers „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück…“ durch den Kopf gegangen. Beim Radeln ist es oft ähnlich. Fast jeder sieht nur nach vorne, der „Rückblick“ ist nur ganz selten. Dabei ist auch das eine Perspektive. Aber in der Regel richtet sich der Blick doch sehr stark auf das was kommen wird und nicht auf das, was schon war.

Begonnen habe ich mit einem Berg, dem Mount Meru in Tansania im Nebel und beendet habe ich die Reise nun wieder mit einem Berg – dem Tafelberg. Berge spielen in der Bibel und in meinem Leben doch eine gewisse Rolle oder haben Bedeutung. Hier wohne ich im 19, Stock. So weit oben habe ich noch nie „gewohnt“. Ich wohne doch lieber weiter „unten“. Hier im Ritz werde ich noch Weltmeister im Aufzugfahren.

Ich freue mich wirklich sehr darauf, euch alle wieder zu sehen. Es ist gut, dass nun alles sein Ende findet und zuhause ein Neues – Altes weitergehen kann. Europa, Deutschland, das Schwabenländle und Walddorfhäslach insbesondere haben schon ihre besonderen Reize! Das merkt man dann schon auch in Afrika mit dem Strom, dem Wasser, dem Grün, den Blumen, den Bäumen, den Straßen und vielem anderen mehr. Wir leben in  einem sehr privilegierten Landstrich dieser Erde. Das wird einem im Alltag gar nicht so bewusst. Vielleicht muss jeder Mal in die „Fremde“ gehen um das Normale wieder schätzen zu lernen.

Hoffentlich bis bald!!
Und bis wir uns wiedersehen halte Gott seine schützende Hand über dich.

Aus Capetown
Werner Bitzer
(Redaktion: Eberhard Fuhr)

Eberhard Fuhr

Geschafft!

Die 60-iger

Nun ist es also geschafft: Was ich vor drei Wochen noch nicht für möglich gehalten hätte: Von Felix United an der Namibisch – Südafrikanischen Grenze bin ich die etwas über 700 km tatsächlich voll durchgefahren. Das hört sich im Rückblick ziemlich einfach an. War es aber glaube ich für alle nicht.

Zuerst ging es 12 km bis zur Grenze, dann folgte ein sehr langer Anstieg von über 700 Höhenmetern. Dann folgten endlos lange gerade Strecken. Aber die Sonne schien und es waren durchaus angenehme Temperaturen. Endlich nach 133 km und beträchtlichen Höhenmetern und 2 Cokestopps in Steinkopf und Okiep war ich am Ziel im Camp. Vorher noch in Springbok Pizzaessen, Internet und das „nötigste“ Einkaufen. Irgendwie klingen die Namen hier im Nord-Westen Südafrikas alle deutsch oder niederländisch-burisch-afrikaans. Ab und zu wird auch deutsch gesprochen.  Abends nochmals eine „Sternenführung“. Wie finde ich das Kreuz des Südens? Wo ist der Südpol zu finden? Was hat es mit Toliman und Hader, den Hufsternen des Zentauren auf sich? Woher kommt unser „Kalender“ u.v.a.m.

Nach einer sehr frischen Nacht musste ich das Zelt wie alle anderen auch triefend nass vom Tau wieder verpacken. Morgens war es dann wirklich sehr kalt in Springbok. Bei 6,8 Grad sind wir los und kurz nach dem Start in der dicksten Nebelsuppe unterwegs. Bei dem Verkehr auf der Hauptstrasse (N 7) war mir nicht immer ganz wohl.  Angesagt waren „nur“ 117 km nach Garies. Dass dazwischen auch noch 1.600 Höhenmeter lagen, merkten wir sehr alle bald. In Kammeskroon gabe es dann auch einen guten gebrühten Kaffee und keinen Instant!!

Dann wieder die gleiche Prozedur: Zelt nass einpacken, fröstelnd frühstücken und aufs Rad für die nächsten 162 km nach Springfontein an den Atlantik. Wieder entsprechend hügelig und 1.500 Höhenmeter. Dazwischen noch 29 km eine etwas strenge Off-Road Piste mit stellen weisem ekelhaften „Wellblech“. Aber was soll’s: Durch musst du kommen, auch wenn manche Körperteile das nicht gerne haben. Die Ankunft in Springfontein mit sehr kurzem Weg zum Atlantik war schon für alle überwältigend, zumal es auch noch schönes Wetter und einen herrlichen Sonnenuntergang gab. Aber morgens hatte sich die Sonne verzogen und machte einem grauen, tristen Himmel Platz.

Nun standen heute wieder nur 74 km auf dem Plan nach Elandsbai. Zwischendrin gab es auch eine gute Bäckerei mit Kaffee und Kuchen – aber auch die Hälfte der Strecke mit Wellblech immer an der Eisenbahn entlang. Anmerkung: einen so langen Güterzug hatte ich vorher  noch nie gesehen. Es waren 8 Loks im Einsatz. Voll beladen mit Granitquadern. Durch den Nebel und die feuchte Atlantikluft klebte der Sand an allem. Fahrrad, Handschuhe und wo sonst noch. Bei der Ankunft im Camp sah es wirklich nach Regen aus. Kurzfristig entschied ich mich in ein Zimmer zu gehen. Aber alle waren schon belegt. Nur ein Wohnwagen war noch frei. Also auch einmal diese Möglichkeit ausprobieren. Plötzlich die Nachricht unser Truck hat einen Unfall – aber kein Personenschaden. Alle sind wohlbehalten. Aber der Truck mit dem Gepäck – Totalschaden. Irgendwie schafften es die Mitarbeiter der TDA innerhalb kürzester Zeit einen Ersatz Truck zu beschaffen und fast alles Gepäck ins Camp zu bringen. 8 Fahrräder mussten ebenfalls als Totalausfall angesehen werden. Aber auch hier war Ersatz sofort zur Stelle!! Schon bewundernswert! Also Gepäck sortieren. Ist auch alles da? Neu organisieren und verpacken.

Und schon kommt der nächste Tag mit 146 km nach Yzerfontein. Wieder mit Off-Road Strecke – aber diesmal nur 7,5 km lang!
Wieder einen schönen Platz mit Kaffee und Kuchen gefunden. Nur Sahne gibt es hier anscheinend nicht. Dann das letzte Ridermeeting mit Instruktionen zum Ablauf, wenn wir in Capetown einfahren. Wieder zurück zur R 27 (klingt irgendwie nach B 27) und mindestens ebenso befahren war die Straße. Also so schnell wie  möglich die 60 km abspulen zum Lunch und zum Start des Konvois. Welche Überraschung. Einen solchen Lunch hat es noch nicht gegeben. Köstlich!!

Dann die vielen Bilder. Dann die letzten 40 km zum Stadion durch Capetown. „Big Ride In“ Ceremonie. Reden, Ehrungen, Rührung allerseits. Es ist geschafft. Es ist wirklich wahr. Wir sind am Ziel angekommen. Das ist schon ein erhebendes Gefühl.

Dann ins Hotel, Zimmer beziehen und zum festlichen Dinner an die Waterfront. Ehrungen, Reden, Rückblicke, Diashow und ein sehr gutes Abendessen. Um 12.00 Uhr dann todmüde ins Bett.

Das war ein sehr gedrängter Überblick über die letzten Tage. Nun steht einpacken, sortieren und vorbereiten an. Bald möchte ich in Walddorf und Württemberg wieder deutsch reden können und Spätzle essen. Das habe ich heute übrigens hier im Hotel gegessen. Auf der Speisekarte steht wirklich hier in Capetown „Spätzle“. Da habe ich mich natürlich als Nationalschwabe zu erkennen gegeben und auch vom Ober sofort einen kräftigen Nachschlag von ausgezeichneten Spätzle bekommen. Aber es war immer noch zu wenig. So viel wie wir hier alle Essen – das ist schon gefährlich.

Ich freue mich aufs Schwabenländle, die Kultur, die Kirchen, die Glocken, die Gottesdienste und wieder „schwätza kenna“ – ond no wird ma au no verstanda!!

Werner Bitzer am 15.05.2011 per E-Mail aus Kapstadt
Redaktion: Eberhard Fuhr

Eberhard Fuhr

Noch zwei Mal Zelt aufbauen

Hallo zusammen,

nachdem es gestern 163 km und so ca. 1.600 Höhenmeter waren (reine Fahrtzeit 7 Std. und 45 Min.) sind es heute nur 74 km. Gestern war es zwar sonnig, aber auch nicht richtig warm. Wir hatten einen sehr schönen Sonnenuntergang am Atlantik, die ganze Nacht das Meeresrauschen (sehr kraeftig). Heute morgen ist es sehr kühl und bewölkt, irgendwie feucht und nasskalt. Die Offroad-Strecke mit über 30 km liegt nun hinter mir. Ich muss noch ca. 25 km bis nach ElandsBay fahren. Habe gerade einen Kaffe getrunken, richtig entspannt, aber eben feucht und kühl.

Jetzt muss/darf ich noch zwei Mal das Zelt aufbauen. Morgen stehen 146 km nach Yzerfontein auf dem Programm, dann am Samstag noch 94 km zum Ziel in Capetown. Alles hat einmal ein Ende. Ich freue mich auf den Rückflug und die Begegnung mit euch allen. Wann ich mich das nächste mal melden kann, weiss ich noch nicht.

Werner Bitzer am 12.05.2011 per E-Mail aus Lamberts Bay
Redaktion: Eberhard Fuhr

Eberhard Fuhr

Warum haben wir eine 7-Tage-Woche?

Hallo zusammen,
ich weiss gar nicht mehr, wo ich aufgehört habe und wo ich weiter machen soll. Die Tage verschwimmen hier. Heute ist auf jeden Fall Sonntag und Ruhetag in Felix United. Einer sehr schönen Lodge direkt am Orange River, in der Nähe von Noordoewer, direkt an der Grenze zwischen Namibia und Südafrika. Morgen am Montag geht es dann ohne Ruhetag direkt über die Grenze zum Ziel Kapstadt (Capetown), das wir am nächsten Samstag dann erreichen werden. Dazwischen liegen noch so ca. 760 km.

Gestern bin ich wieder auf das Rad gestiegen und vom Lunch nach Felix United gefahren (ca. 84 km). Die ersten 92 km von Seeheim zum Lunch bin ich mit dem Truck gefahren. Vom Lunchtruck waren die ersten 42 km wirklich Off-Road: leicht ansteigend bei starkem Gegenwind. Teilweise waren für mich (und viele andere) nur 13 – 15 km pro Stunde drin. Da habe ich die Racer bewundert, die das anscheinend locker wegstecken und nur so an mir vorbei gerauscht sind. Wirklich stark. Als dann die letzten 40 km auf Asphalt begannen, wollte ich aufatmen, aber jetzt war der Gegenwind noch stärker. Die Wüste, durch die Straße führt war wirklich beeindruckend. Unglaublich schöne Kontraste und Farbenvielfalt. Teilweise mit Blumen! Allerdings konnte auf der Off-Roadstrecke der Blick kaum von der „Straße“ genommen werden. Sand, Wellblechpiste, Wasserrinnen, Steine und was sonst noch so alles das Weiterkommen verhindert. Auf der anderen Seite war die Temperatur mit ca. 28° wirklich angenehm. Unglaublich auch der Kontraste hier zwischen Grün und Rasen und Sand und Wüste.  Wasser bedeutet Leben. Das ist hier unmittelbar zu erfahren.

Unser letztes Camp in Hobas (Road-House) war für mich der Beginn der Erholung. Langsam geht es wieder aufwärts und ich brauche nicht mehr für jeden Entschluss und die Umsetzung unendlich viel Zeit und Kraft. Ich fühlte mich sogar so „stark“, dass ich auf Englisch einiges über die Sterne erzählte. Wie findet man das Kreuz des Südens? Was hat es mit dem Orion auf sich?  Warum haben wir eine 7 Tage-Woche und keine 10 oder sonst was? Woher kommt unser Kalender? U.v.a.m. Es kamen so zehn Interessierte und das war wirklich sehr schön. Es hat anscheinend so Anklang gefunden, dass ich es heute Abend nochmals wiederhole, weil einige auf mich zugekommen sind, dass sie vorgestern keine Gelegenheit hatten zu kommen.

Im Road-House Camp habe ich zum ersten Mal wieder das Zelt aufgebaut. Die Tage zuvor konnte ich einfach nicht und brauchte die Toilette in der Nähe.  Von Sesriem über Betta nach Seeheim bin ich mit dem Truck gefahren. Der Durchfall hatte mich sehr fest im Griff und ich war nur noch ein Häufchen Elend, das nichts als schlafen wollte. Ausser mir waren noch einige andere betroffen. Jetzt geht es wirklich wieder aufwärts und ich hoffe, dass das auch so bleiben wird.

Nachts werden übrigens die Temperaturen schon ziemlich tief. Es wird sehr kühl. Morgens ist das Zelt nass vom Tau. Es fällt schwer, das Zelt in diesem Zustand abzubauen und einzupacken – im Dunkeln! Tagsüber regnet es jetzt nicht mehr. Allerdings auf der Strecke nach Seeheim sind schon morgens mehr als 20 in den Truck gestiegen, weil es regnete und der Sand sehr tief war. Unterwegs kamen dann nochmals fast 20 dazu, die sich diesen Strapazen nicht gewachsen fühlten. Der Platz auf den Trucks wurde wirklich sehr eng und es war alles nur noch mit etwas Galgenhumor zu bewältigen. Anders geht das nicht.

Übrigens:
Das hier ist auch auf andere Art und Weise so eine Art Selbsterfahrungsgruppe. Wenn es regnet und fast 40 Leute die Rezeption des Seeheim Hotels stürmen, weil jeder ein Zimmer haben und keiner ins nasse Zelt will, das ist schon bemerkenswert, was da so alles abgeht. Es waren dann zum Glück genügend Zimmer bzw. Betten vorhanden, so dass alle unterkommen konnten, die es wollten. Aber an der Rezeption waren sie Zeitweise doch völlig überfordert. Gestern Abend hier im Restaurant auch. Wenn über 80 Leute das Restaurant „stürmen“ (es gibt kein anderes in der Nähe) und wir uns eben selbst verpflegen müssen, dann führt das zumindest vorübergehend irgendwie zum Chaos. Ich musste mit einigen anderen über 2 ½ Stunden auf das Essen warten. Irgendwie sind wir trotz nachfragen und reklamieren unter den Tisch gefallen. Wenn der Hunger steigt, alle anderen essen und satt sind – das sind schon entsprechende Gefühle und Reaktionen.

Aber heute scheint die Sonne, es ist angenehm warm, das Frühstück war chaotisch, aber sehr gut (75 nam$ und eine ¾ Stunde auf den Kaffee warten) aber sonst wirklich sehr gut. Wir lernen hier vieles so nebenbei. Auch was Höflichkeit, Rücksicht, Ellbogen, Vordrängen u.v.a.m. betrifft. Ich auch.

Werner Bitzer am 8.5.2011 per E-Mail aus Felix United
Redaktion: Eberhard Fuhr

Der weitere Plan:

Eberhard Fuhr

Matsch und tiefer, tiefer Sand

Hallo zusammen,
die letzten Tage hatten es wieder in sich. Zuerst noch der Rückblick auf das Treffen mit den Schwestern von Gerda Teufel. Es gab Nudeln mit Gulasch und ein Bier. Und natürlich lange Gespräche. Das kann ich alles erst zuhause erzählen, es wäre sonst hier zu viel: Von den Farmern, von der deutschen Gemeinde, vom Schulsystem, von den Mitarbeitern in den Firmen u.v.a.m. Es waren sehr viele interessante Informationen dabei.

Mein Refugium (Zimmer in der Lodge) hatte ich schon geräumt, also zurück ins Zelt. Erst da wurde mir deutlich, dass ich mein Zelt in der „flodding Area“ aufgebaut habe. Nachdem es in den Tagen, in denen ich im Zimmer war, nicht geregnet hatte, ging ich davon aus, dass es in dieser Nacht (sternenklar) auch nicht regnet. Prompt kam ein heftiges Gewitter in der Nacht. Also wieder einmal das Zelt nass einpacken – zum Glück regnet es beim Frühstück nicht. 

Kurz nach 6.00 Uhr (jetzt ist in Namibia Winterzeit) ging es dann auf die 114 km lange Strecke nach Weissenfels. Die ersten 11 km nach Windhoek war noch Asphalt. Dann beginnt die fast 1.000 km lange Off-Road Strecke zur Grenze von Südafrika. Wer sich nun denkt, dass die beginnende „Wüste“ eben sei, der hat sich gründlich getäuscht. Über 1.100 Höhenmeter waren bewältigen. Die letzten 7 davon mit heftigem Gegenwind. Aber eine wirklich faszinierende Landschaft, sehr beeindruckend.

Wer nun weiter denkt, dass die in der Karte eingezeichneten Orte auch Orte seien, der täuscht sich abermals. Weissenfels ist eine Lodge (mit Pferdefarm) irgendwo im Niemandsland,  mehr nicht. Cokestopps gibt es hier nicht mehr. Es ist hier nichts ausser vielleicht nach 40 km einmal eine Farm, aber weit von der Straße entfernt. Immerhin Dusche und kalte Getränke!!

Mein Zelt hatte ich etwas abseits aufgebaut. Dass das ausgerechnet neben dem Generatorhäuschen war, merkte ich erst abends, als er zu laufen begann. Bis 23.00 Uhr. Und dann wieder ab 4.00 Uhr morgens. Aber  den anderen ging es auch nicht besser. Der nächste Tag (Freitag 30. 4.) sollte uns nach Solitär führen. Dazwischen  ein Pass. In der Nacht hatte es wieder mal geregnet.

Die Straßen waren teilweise nur Matsch und tiefer, sehr tiefer Sand. Die Kette quietschte erbärmlich, alles schmieren half nichts, dann wieder durch die Wasserlöcher. Je länger es ging, desto mehr gingen alle dazu über einfach durchzufahren. Irgendwie werden wir durchkommen. Alle sahen entsprechend aus. Einschließlich der Räder. In Nauchas dachte ich an einen Cokestopp – aber ausser der Police-Station gab es sonst nichts. Wirklich nichts.

Oben am Pass ein wirklich beeindruckender Tiefblick!! Unglaublich. Und meine Kamera setzte kurz vorher aus (ich habe sie bis jetzt nicht mehr zum „laufen“ gebracht“). 500 Höhenmeter Abfahrt auf 4 km. Die Bremsen sind heiß gelaufen. Unten glücklich angekommen bissen wir uns durch Sand und Stein in der nun wirklich heißen Sonne. Da kam die Gecko-Farm gerade recht. Die wird von einem deutschen Ehepaar bewirtschaftet mit Lodge und deshalb auch Getränke. Aber um die Lodge zu erreichen, mussten wir schieben, so tief war der Sand: Kein Durchkommen.

Warum sind immer die letzten Kilometer die härtesten? Die letzten 30 km nach Solitär waren wirklich hart für mich. Sand, Steine und Wellblechpiste. Aber der Apfelkuchen entschädigte dann für Vieles. Der war wirklich sehr, sehr gut!!

Was kam in der Nacht? Das obligatorische Gewitter. Heftig! Blitz und Donner auf einen Schlag und heftiger Regen. Also heute Morgen wieder das Zelt nass einpacken.  Heute sollten es „nur“ 83 km sein. Aber dazwischen lagen wieder Steigungen und vor allem ein heftiger Gegenwird. Teilweise bin ich nur mit 11 Stundenkilometer mühsam vorwärts gekommen. Nach 4 Stunden war die Strecke geschafft und ich wieder mal auch. Zuerst trinken. Dann ruhen, dann Zelttrocken, dann aufbauen. Der Wind und das wirklich trockene Klima (trotz Regenwolken) ließen das Zelt rasch trocknen. Jetzt ist wieder keine Wolke am Himmel. Durst ist der Begleiter.  In Solitär war die Regenmenge angeschrieben. (2009 = 223 mm, 2010 = 135 mm und dieses Jahr? Januar = 240 mm, Februar = 190 mm, März = 270 mm, April war leider noch nicht angeschrieben. Die Landschaft hier ist wirklich sehr faszinierend. Irgendwie habe ich mir das ganz anders vorgestellt. Aber wirklich sehenswert und ein Highlight! Auch wenn die Straßen alles andere als fahrradfreundlich sind.

Privat:
Der Durchfall meldet sich wieder zurück. Ich glaube jetzt nicht mehr, dass es ein Infekt  ist. Ist es das Wasser, die Hitze, die Gruppe, das baldige Aufstehen, der Stress mit dem Packen, das Essen hier, meine noch vorhandene Raucherei? Ich versuche das in den nächsten Tagen herauszufinden. Morgen geht die Hälfte der Gruppe schon um 5.15 Uhr nach Sossusvlei zu den Dünen. Das ist mir zu bald. Das schaffe ich nicht. Außerdem ohne Foto?

Nun werde ich den „Rest“ auch noch bewältigen. Irgendwie.
Danke für alles Drandenken und liebe Grüße
Werner

per E-Mail am 02.05.2011
Redaktion: Eberhard Fuhr

Von Windhoek (Namibia) bis Kapstadt (Südafrika)

 

Start:
Am 30.04.2011 in Windhoek (Namibia)
Ziel:
Am 14.05.2011 in Kapstadt (Südafrika)
Dauer:
15 Tage
Entfernung:
1.762 km
Ruhetage:
03.05.2011: Sossusvlei
09.05.2011: Felix United

Geplanter Rückflug:
17.05.2011: Kapstadt

Geplante Ankunft:
18.05.2011: Stuttgart