05.04.2011
Ein Schwabe in Lilongwe
Montag, den 02.04.2011
Das ist die Hauptstadt von Malawi. Sie soll so ca. 650.000 Einwohner haben. Dazu muss man wissen, dass es eine neue City und eine alte geben soll. Der Schwabe ist in der Nähe der alten City.
Es ist Ruhetag. Relaxen – also erholen angesagt. Was ist das? Die Wäsche ist gewaschen. Was also tun? Also einkaufen gehen. Aber wie macht man das? Einige sagen sie seien in Nairobi zum Frühstück ins Sheraton gegangen. Aber in Lilongwe gibt es das nicht. Also was tun? Ach so, es gibt ja die erfahrenen. Also fragen, was die machen. Ok ein Arrangement ist schnell getroffen. Er muss nur noch kurz sein Bike durchchecken und dann gehen wir in die Stadt. Es sind aber viele, die so denken. Also muss jeder in die „line“, also in die Warteschlange. Das dauert dann von 9.00 Uhr bis 13.30 Uhr. Was macht man sooooo lange? Sich über die Probleme Afrikas austauschen: Staatsführer, Korruption, Internationale Banken, Entwicklung, Veränderungen.
Dann ist es so weit. Wir gehen. Kurz noch die Kwachas zählen (so heißt die Währung hier, von der ich vorher noch nie etwas gehört habe – geschweige denn den genauen Umrechnungskurs kenne). Oh mein Partner muss noch Dollar in Kwacha umtauschen. Kein Problem. Wir fahren also in die City. Bank schnell gefunden. Ich warte, bis du wieder kommst. Nach 30 Minuten Dauergespräch mit den üblichen Verkäufern und dem vergeblichen Versuch das Gespräch zu beenden, kommt mein Partner. Nach der üblichen Warteschlange und dem 3. Schalter wurde sein Reisepasse verlangt. Den hatte er nicht dabei. Also nichts mit Kwachas. Später erzählt er, dass er die Dollar in einer Wechselstube in 2 Minuten umgetauscht hat.
Das Internetcafe oder Cyberplace haben wir schnell gefunden. Nach einer Stunde bin ich fertig. Mein Partner noch nicht ganz. Ich bin ich 30 Minuten wieder hier. Genau gegenüber ist ein großer Supermarkt einer deutschen Handelskette. Nach dem Dauergespräch mit den Verkäufern steht mir nicht mehr der Sinn nach Market. Ich bin erstaunt über das Gewühle. Ich komme mir sehr verloren vor. Was brauche ich? Was will ich? Ich weiss es plötzlich nicht mehr. Etwas zu trinken! Kekse, Joghurt! Schokolade ist nicht zu finden. Was zum trinken? Saft, Coke, oder…. in welcher Größe? Gekühlt??
Das sind bei dieser Hitze und bei diesem Gewühle zu viele Entscheidungen auf einmal. Warum bin ich hier allein? Wie würde der Vater sagen? Eine Frau muss her! Ich und Shopping?! Wenn ich das in Deutschland nicht mag – wo ich mich etwas auskenne – warum soll ich es dann in Lilongwe in Malawi lieben?
Ich finde was ich brauche. Oder meine zu brauchen. Mit zwei Tragtüten zum Fahrrad. Durch den Verkehr in der Hitze zurück?! Bin ich denn wahnsinnig? Im Camp glücklich angekommen (mit kompletten Tragtüten!) frage ich mich wieso ich diesen schönen Ort verlassen habe. Ist es die Möglichkeit so dumm zu sein? Aber ich will ja etwas trinken und essen. So ist das halt in Afrika.
Heute stand noch eine schwierige Entscheidung an. Die Linse meiner Digikamera hat Sprünge. Warum? Wieso? Keine Antwort. Es ist halt so. Was tun? Eine neue kaufen? Schon wieder eine Entscheidung treffen. Also los es nützt nichts. Fotogeschäft bald gefunden. Kein bezahlen mit Kreditkarte möglich. Also zur Bank. Lange Schlangen. Von zwei Automaten funktioniert nur einer. Der Automat akzeptiert meine Karte nicht. In die Bank zum fragen, was da los ist. Oh mit dieser Karte muss ich zur nächsten Bank. Wieder die Schlangen. Endlich bin ich dran. Ich muss mich drei Mal einloggen, denn maximal sind auf einmal 20.000 Kwacha möglich. Mit einem großen Bündel Geldscheinen verlasse ich die Bank. Digikamera gekauft. Jetzt muss ich lernen damit umzugehen. Batterien laden usw. Alles nicht so einfach.
Werner Bitzer am 5.4.2011 per E-Mail
Redaktion: Eberhard Fuhr







