Archiv für die Kategorie "04: Nairobi-Mbeya"

Eberhard Fuhr

Wie finden wir den richtigen Weg?

Kurze Reflexion am Sonntag, den 27.3.2011

Ich muss noch ein Bild von den orangenen Bändern machen, die von den Mitarbeitern der TDA an Kreuzungen oder anderen etwas schwierigen Stellen aufgehängt werden. Sie weisen uns den richtigen Weg.

Das ist für mich auch zum Symbol geworden. Wie finden wir den richtigen Weg? Hier sind es nur wenige Stellen. So viele Kreuzungen gibt es gar nicht. So lange es nur den ganzen Tag auf einer Strasse geht, ist es nicht schwierig den richtigen Weg zu finden. Ist das auch ein Symbol für Europa (viele Strasse, viele Wege, viele Möglichkeiten?) und Afrika??? Mit wenig Strassen ???

Die letzten Tage durch den Dschungel und das Game Reserve haben mir auch ein anderes Bild gezeigt. Die „Strasse“ führt durch den Dschungel. Links und rechts eine Grüne Mauer. Manchmal hört man dass hinter der „grünen Mauer“ etwas ist. Pfade führen hinein, plötzlich taucht jemand auf. Hühner gackern und Hähne krähen. Was aber wirklich dahinter ist, das ist nicht zu sehen. Die Konzentration auf die „Straße“ ist aber auch wirklich notwendig. Termiten unterhöhlen die Strasse und dann bricht sich ein. Dadurch entstehen große Löcher. Dann wieder nasse Stellen usw. Wer nicht aufpasst, den erwischt es. Es sind immer wieder Stürze zu vermelden. Die sind bisher glimpflich verlaufen. Aber es passiert.

Gestern machte mir neben dem langen Tag auch noch folgender Umstand sehr zu schaffen. Die Straße war erbärmlich. So etwas gibt es in Europa gar nicht mehr. Ich war noch gefangen in der Vorstellung, dass mich „Mbeya nicht mag und nicht will“. Das kommt vom Unfall, weil ich da Mbeya nicht erreicht habe. Ich war manchmal der Überzeugung, dass ich Mbeya nicht erreichen werde. Es soll nicht sein. Die Hürden und Schwierigkeiten sind einfach zu gross für mich. Meine Gedanken schwächten meine Kraft. Dadurch wurde das „durchgerüttelt“ werden noch schlimmer, als es ohnehin schon war.

Das war gestern der absolute Höhepunkt. Das war kein Genuss mehr. Da quälst du dich den Berg hoch (ca. 2.700 mtr.) und freust die auf die Abfahrt nach Mbeya und dann kommt ein der schrecklichsten „Strassen“ die ich bisher erlebt habe. Aber das ging allen so.

Auf der anderen Seite war die Sicht vom World’s End View Point schon überwältigend. Das war richtig grandios und schön. Endlose Weite ca. 800 Meter unter mir, fast auf Höhe der Wolken, Alles grün und saftig, sonnig und ein angenehm kühler Wind. Da wäre ich gerne noch etwas geblieben. Aber der Weg war noch lang. Auch oben auf dem Pass ging es nicht gleich wieder nach unten (wie ich vermutete so wie in den Alpen) sondern immer wieder auf und ab. Es war ein schwerer Tag. Manche sind erst um 17.30 Uhr völlig fertig hier im Hotel im Camp angekommen. Mit etwas Stolz kann ich sagen, dass ich als letzter des ersten Drittels angekommen bin. Da muss ich einfach auch das Alter berücksichtigen. Fast alle „Jungen“ waren vorher am Ziel. Das ist auch so in Ordnung.
Gestern Abend konnte ich dann den Hunger richtig fühlen. Ich habe ein Pfeffersteak mit Chips (Pommes) und als Nachtisch ein Eis bestellt. Für 10.500 Tansanische Schilling (ungefähr 8,50 €). Wenn schon kein Zimmer, dann gut essen.

Heute Nacht hat es auch geregnet. Da beunruhigt mich aber nicht. Auch die Wetteraussichten der nächsten Tage (Gewitter, Regen) bringen mich nicht aus der Fassung. Irgendwie wird das schon werden. Jetzt hat es hier angenehme 22 Grad.   Mit den „Toiletten“ im Dschungel, das war auch so eine etwas gewöhnungsbedürftige Situation. 2 Zelte, 2 Löcher im Boden, das wars. Und das für 85 Leute. Aber was solls, es ist hier wirklich schön. Größtenteils wirklich nette Leute. Manchmal bin ich zwar noch der Außenseiter. Aber ich komme schon ganz gut zurecht. Es braucht gewisse gemeinsame Erlebnisse, dann geht das – so wie gestern. Ich bin hier nicht der Älteste, Bob und noch 2 andere sind Mitte sechzig. Manche Jüngere benehmen sich nicht sehr vorteilhaft. Nur ich, nur meine Bedürfnisse. Wo habe ich einen Vorteil, wer nützt mir. So will ich das nicht.

Nun habe ich also die erste 1.200 km hinter mir. Ebenso knapp über 10.000 Höhenmeter. Ich bin in Mbeya angekommen. Das ist für mich psychologisch sehr wichtig. Ich bin gespannt, ob sich das auf meine Psyche auswirken wird, dass ich die Unfallstelle hinter mir gelassen habe.

Noch ein kurzes Wort zu Toyota. Wenn ich jetzt eines weiß, dann das, dass ich nie in meinem Leben einen Toyota fahren werde. Es gibt hier praktisch nur Toyotas und die tansanischen Fahrer sind sehr gewöhnungsbedürftig. Die fahren hier wie die Henker. Gestern hatte ich eine seltame Begegnung: ich fahre keuchend auf meiner linken Seite den Berg hoch. Ein Toyota kommt den Berg herab – auch auf der linken Seite. Er hält und sagt mir, dass ich gefälligt als Radfahrer aus dem Weg zu gehen hätte,wenn er mit dem Auto kommt. Radfahrer haben hier also wirklich keine gute Lobby.  Ok, das ist hier auch nicht ungewöhnlich. In den letzten Tagen hatten wir ca. 1-2 Autos und 1 Bus. Das ist auch gut so. Mehr vertragen die Strassen hier auch nicht. Aber jedes Auto oder Bus der kommt, bereitet mir noch etwas Schrecken. Ich bin froh, wenn die vorbei sind. Das sind unter anderem auch meine Herausforderungen.
Manchmal spüre ich meinen rechten Arm. Aber erstaunlicherweise geht es trotzdem gut. Das Gerüttel und Gehoppel bekommt dem Arm nicht wirklich gut. Aber es läßt sich gut aushalten und ich bin froh, dass es nur manchmal bemerkbar ist. Eigentlich ist es wirklich gut, erstaunlich gut. Auch nachts und so.
Was schwieriger war, ist die Sonne und  der Sonnenbrand. Ich denke, dass ich das jetzt so einigermaßen im Griff habe, aber manchmal macht sich das bemerkbar und an manchen Stellen schält sich die Haut.

Hier läuft im Fernsehen in der Hotellobby das Formel 1 Rennen. Gerade eben ertönt die deutsche Nationalhymne weil Sebastian Vettel gewonnen hat.
Das ist wiederum kurios, weil in Lybien und Japan soviel anderes los ist. Wir bekommen hier nicht wirklich etwas von der Welt mit. Nur sehr andeutungsweise.

Nun werde ich mich also aufmachen und wieder das Internet besuchen. Dann etwas essen und dann mein Fahrrad richten.
Ich habe mir heute auch “Laundry” gegönnt, d.h. ich habe meine Wäsche abgegeben und lasse sie waschen. Den Gerüchten nach soll gestern die Waschmaschine den Geist aufgegeben haben. Aber irgendwie wird die Wäsche irgendwann trocken und nutzbar. Es sind die kleinen Dinge, die einen hier beschäftigen und daneben die großen. Das liegt so unmittelbar beieinander.

Morgen soll es zuerst 400 Höhenmetermeter aufwärts gehen und dann eine lange Abfahrt zum Malawisee. Aber das glaube ich erst, wenn es wirklich so weit ist.

An alle ganz liebe Grüße. Die Kommentare nehme ich gerne zur Kenntnis, werde aber nicht auf alle eingehen.

Werner Bitzer am 27.03.2011 per E-Mail aus Mbeya (Tansania).
Redaktion: Eberhard Fuhr

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Eberhard Fuhr

Der Bus steckt fest

Freitag,  25. März 2011

Matsch, Sand, Durchwühlen.
Starken Beanspruchung von Mensch und Material.
Heute bin ich 124 km heute mit 1.100 Höhenmeter gefahren.
Mittags glühende Hitze.

Der Omnisbus steckt fest.
„In God we trust“ erhält hier unfreiwillig eine ganz neue Bedeutung.
Viele Kinder (mindestens 200 ums Camp)
Der Sand ist zwischen den Zähnen, in den Haaren – also überall.
Das Zelt ist morgens klatschnass.
Der Cokestopp wichtig, kämpfe mich von … zu…
Die Menschen eigentlich freundlich.
Bach 3 Tagen Dschungel und kein Netz heute Strom im Dorf und Handynetz.
Morgen Samstag nach Mbeya. Mando Day  also schwieriger Tag. Pass von 1.2065 Metern auf 2.466 Meter. Matsch? Sand?
Endlich Ruhetag und Dusche!!!
Die nette Ägyptische Gruppe verlässt uns morgen. Sie macht noch auf Sansibar Urlaub.
Wir haben viel miteinander gerdet.
Auch verlassen uns die zwei polnischenRadler. Beide werden mir fehlen.

Werner Bitzer am 26.02.2011 aus Mbeya (Redaktion: Eberhard Fuhr)

Eberhard Fuhr

Von Termiten ausgehöhlte Straßen

Donnerstag, 24. März 2011

Heute morgen war das Zelt nass, aber auch klitschnass. Den Regen habe ich gar nicht bemerkt.  Aufstehen wieder 5.30 Uhr, nasses Zelt einpacken, Gepäck verstauen. Das Frühstück ging um 6.45 Uhr los. Grüner Dschungel. Wir sollen auf Tiere achten. Habe aber den ganzen Tag nichts gesehen. Manche der Teilnehmenden behaupten, sie hätten Baboons gesehen, einer sagte er habe ein Rhino gesehen. Keine Ahnung, was ich davon halten soll …

Ich bin mit der „Straße“ beschäftigt. Jeder Feldweg im Schönbuch oder Schwarzwad ist in besseren Zustand. Termiten höhlen die „Straße” von unten auf, dann bricht sie an manchen Stellen ein. Diese sind dann mit Wasser gefüllt. Schlaglöcher, Sandlöcher, Wellblech. Wie soll man da unkonzentriert fahren? Kaum Zeit auf links und rechts zu achten. Konzentration auf die „Straße“.  Überall Sand. Wer nicht aufpasst fällt einfach um. Tiefe Rillen. Wasser. Die letzten 15 km heute waren wirklich nicht einfach. Durch den tiefen Sand gewühlt. Mußte an manchen Stellen absteigen und schieben. Kein Durchkommen.

Ankunft im Camp. Die Gewitterwolken stehen schon bedrohlich am Himmel. Reicht es das Zelt aufzubauen. Nass wie es ist. Es wird besser als ich dachte. Kann das Zelt trocknen. 2 Km zurück ist ein Fluss. Manche schwärmen vom Baden darin. Reicht es vor dem Gewitter? Fahre zurück. Ein Bad in einem kühlen Fluss. Den Körper einmal wieder abkühlen. Wunderbar. Kaum zurück im Camp fängt es an zu regnen.
Kaffee, trinken, trinken, trinken. Warten auf Essen!!

Das Fahrrad steht die die Straßen bisher sehr gut durch, viel besser als ich. Kein Plattfus im Dschungel! Das würde mir die letzte Kraft rauben. Das Zelt ist dicht, kann jeden Tag trocknen. Der Sand ist aber überall. In den Kleidern, auf der Haut, zwischen den Zähnen knirscht es.  Kein Netz für Handy. Noch mindestens 300 km bis Mbeya.

Werner Bitzer am 26.03.2011 aus Mbeya (Redaktion: Eberhard Fuhr)

Eberhard Fuhr

Sehr lange Wege

Mittwoch. 23. März 2011

Ich weiss gar nicht, was ich von gestern schreiben kann. Es sind fast zuviele Eindrücke.
Durch den Dschungel, links und Rechts alles Grün. Manchmal führen Wege in den Busch. Manchmal hört man den Hahn krähen. Manchmal sieht man Maisfelder. Manchmal sind Menschen unterwegs, oft mit Fahrrad. Alle freundlich. Die Wege sind lang, sehr lang. Heute bin ich 114 km gefahren. Es ist eigentlich ganz gut gelaufen. Bis zum Lunch sind es meistens so 60 km und die habe ich bis kurz vor 10.00 Uhr meist hinter mir. Danach wird es anstrengend.  Abends ein Bier, das war gut. Habe durchgeschlafen und den Regen nicht gehört…

Werner Bitzer am 26.03.2011 aus Mbeya (Redaktion: Eberhard Fuhr)

Eberhard Fuhr

Nicht so fit

Dienstag,  22. März 2011

Heute vor 2 Jahren war mein Unfall. Habe heute mehrmals daran gedacht.

Aufstehen um 5.30 Uhr. Wie immer. Es stehen 107 km nach Itigi auf dem Programm. 60 km bis zum Lunchtruck sind geteert. Dann beginnt die Quälerei. Ich bin heute nicht ganz bei der Sache. Irgendwie fühle ich mich nicht so fit. Auch mußte ich unterwegs 2 x aufs „Klo“ d.h. in den Büschen verschwinden. Eigentlich bin ich dann noch ganz gut so gegen 12.30 Uhr ins Camp gekommen. Es war relativ sonnig und der Matsch hielt sich im Gegensatz zur Straße in Grenzen. Dann kam das Gewitter und nun sitze ich Zelt mitten in einem See und hoffe, dass das Zelt dicht bleibt und auch der Regen bzw. das Gewitter nachläßt.

Habe hier meine Radlersachen gewaschen in der Hoffnung, dass die noch trocknen. Aber dem war nicht so. Mal sehen wie das alles wird.
Ich konnte immerhin noch „duschen“ d.h. für 2.000 Tansanische Schilling einen Eimer bekommen und mich waschen. Danach fühlte ich mich besser. Mal sehen wie diese Nacht wird.  Überall sind die Spuren von Sand und Matsch, auch zwischen den Zähnen. Enige der Teilnehmenden sind heute nicht gefahren. Es wird spannend wie das alles noch werden wird. Keine Bilder gemacht, war zu nass.

Werner Bitzer am 26.03.2011 aus Mbeya (Redaktion: Eberhard Fuhr)

Eberhard Fuhr

Augen zu und durch

Montag, 21. März 2011

Es ist nun 5 Minuten vor acht. Draussen ist es stockdunkel, die Frösche quaken und ich sitze mit Stirnlampe im Zelt und versuche zu schreiben. Das ist auch nicht ganz einfach nach so einem Tag.

Gestern waren wir in einer Hotelanlage untergebracht. Es ist erstaunlich, was passiert, wenn 85 Leute einfallen und das Hotel in Beschlag nehmen, Toiletten, Duschen und dann zum Schlafen auch noch die Hotellobby. Jeder suchte nach einem trockenen Platz. Ich hatte mein Zelt direkt neben dem Eingang, Es war eigentlich eine ruhige und bequeme Nacht. Ich kam zwar einigermaßen in der Zeit an, aber alle verfügbaren Räume waren schon belegt. Sonst hätte ich das durchaus auch gemacht.  Heute morgen sind dann nicht alle aufs Rad. Gleich beim Start war Matsch und Regen. Nach kurzer Zeit musste ich nicht mehr überlegen ob ich schmutzig oder weniger schmutzig werden würde. Das war schon so eine Sache. Aber Augen zu und durch. Dann wurde das Wetter aber immer besser und auch die Straßen.
In Singida habe ich dann nach vielem Fragen ein Internetcafe gefunden. Beim Cafe habe ich dann welche aus der Gruppe getroffen und die erzählten mir, dass gleich um die Ecke kein carwash sondern ein bikewash ist.  Also habe ich für 1.500 Tansanische Schilling (das sind immerhin der Gegenwert von 3 Cokes) das Rad waschen lassen. Jetzt sieht es wieder nach Rad aus.

Anschleßend gute Straßen!! Bis jetzt die besten. Kurz vor dem Abendessen hat es dann wirklich heftig angefangen zu regnen. Schöner Regenbogen. Jetzt regnet es nicht mehr. Das Zelt ist dicht und wirklich ausreichend groß.!!! Die Geschichte mit dem Old baba oder Father habe ich schon erzählt. Ach ja mit einzelnen aus der Gruppe habe ich einen ganz netten Kontakt. Auch wenn englisch doch noch nicht ganz so meine Stärke ist. Aber es klappt schon ganz gut.  Einige Teilnehmende sind wirklich nicht zu geniessen. Um die mache ich einen möglichst weiten Bogen.

Morgen denke ich an meinen Unfall vor 2 Jahren. Auf die Trucks und Busse passe ich wirklich sehr genau auf. Das merke ich schon noch, dass mir das in den Knochen sitzt.

Werner Bitzer am 26.03.2011 aus Mbeya (Redaktion: Eberhard Fuhr)

Eberhard Fuhr

Wahl zwischen drei Möglichkeiten

Montag, den 21. März 2011 aus Singida

Jetzt bin ich schon über 600 km unterwegs.  Morgens um 5.30 Uhr aufstehen – das ist schon hart für mich. Um 6.00 Uhr ist alles gepackt und dann Frühstück und spätestens eine Stunde später  bin ich auf der Straße. So auch heute. Bei strömendem Regen bin ich um 7.00 Uhr gestartet. Ich konnte zwischen drei Möglichkeiten auswählen: Mit dem Truck fahren, dirty werden (also schmutzig) oder sehr schmutzig werden. Jetzt weiss ich was Match auf der Straße ist. Das erlebe ich in Deutschland gar nicht.

Das Fahrrad und ich (wir alle) sehen mehr als matschig aus. Habe ich kaum ins Internetcafé getraut. Aber mit dem CENTURION-Rad bin ich mehr als zufrieden. Und mit den neuen Reifen von SCHWALBE auch. Wenn ich halt im Regen mehr als 20 km fahre, spritzt mir das so einfach mitten ins Gesicht. Aber der Reifen wühlt sich durch den dicksten Match und auf den schlüpfrigen Strecken hält er.

Gestern sind wir in eine Hotelanlage eingefallen. Als ich ankam, waren alle Zimmer belegt. Ich habe gefroren und konnte meine nassen Sachen nicht auswechseln. Der Truck mit meinen Sachen (Zelt etc.) war an einer Baustelle. Da haben die sonntags einfach einen Graben quer über die Straße gezogen und alle mussten warten, bis das wieder behoben war.

Als der Truck ankam, regnete es kaum noch. Ich habe aber mein Zelt, das vom Vortag noch nass war, unter der Veranda, direkt neben dem Eingang des Hotels aufgebaut. – so wie andere auch. Zwanzig weitere haben in der Eingangshalle geschlafen. Die haben kein Zelt aufgebaut.

Gestern sind wir in Magugu im Camp gewesen. Das war noch sehr angenehm. Alles war wieder trocken. Nur während der ganzen Nacht hat eine Grille oder sonst etwas direkt neben meinem Zelt einen Höllenlärm veranstaltet – und dann hat es noch geregnet. Alles war klitschnass. Aber der Mensch gewöhnt sich anscheinend an vieles.

Unterwegs erlebe ich immer wieder das gleiche Schauspiel: Wenn ich komme, dann sehen alle ganz erstaunt auf mich. Dann brechen sie ins Lachen aus und rufen: „Old Babu, old Babu“. Oder „Father you are very strong“. Das ist dann jedes Mal eine Gaudi. Zu den „langsamsten“ Fahrern gehöre ich schon längst nicht mehr. Das macht auch Spaß. Vorne kann und will ich nicht mitfahren. Das ist mir zu stressig. 

Es ist jetzt hier bei uns 12.30 Uhr. Ich habe heute schon 95 km hinter mir. Jetzt gehe ich Cafe trinken und dann noch ca. 25 km ins Camp. Hoffentlich trocken.

Werner Bitzer am 21.03.2011 per E-Mail (Redaktion: Eberhard Fuhr)

Eberhard Fuhr

Auf dem Mount Meru

 

Auf dem Gipfel in 4.566 Meter

 

Freitag,  18. März 2011

Nun bin ich also wieder „unten“. Der Mount Meru ist geschafft – und ich wahrscheinlich noch mehr. Dies war also der bisher höchste Punkt (4.566 mtr.) in meinem Leben. Ob es der Höhepunkt war, das kann ich noch nicht einschätzen.

Der Mount Meru bei Google Maps

Der Mount Meru bei Wikipedia

Europa habe ich verlassen, um im warmen Afrika Wärme zu tanken. Und nun bin ich auf dem Meru in der Gipfelregion im Schnee gestapft. Auf der Saddlehut habe ich in 3.500 Meter Höhe durchaus leicht gefroren. So viel zur Wärme in Afrika.

Mit Saidi dem Ranger, Gideon dem Führer, Mohammed dem Essensträger und noch anscheinend zwei weiteren Personen (Koch etc.), die ich aber nicht wirklich zu sehen bekam, war das ganze ein Unternehmen mit fünf Begleitern. Die Gasflaschen und die Verpflegung, alles musste mitgetragen werden. Soviel konnte ich gar nicht essen, wie dann serviert wurde. Aber der Reihe nach.

Am Mittwoch (16.03.2011) wartete ich, ob die Guides auch kommen würden. So war ich also bereits um 7 Uhr wach. So gegen 11.30 Uher kamen dann auch alle. Nach etwas Hektik beim Packen fuhren wir zum Aufstieg am Momela-Gate (1.500 mtr) und dann zur  Miriakamba Hut (2.500 mtr). Dort war es noch warm und schön. Essen, schlafen,  warten. Am nächsten Morgen (17.03.2011) dann Aufstieg zur SaddleHut auf 3.500 mtr. Dann der Entschluss noch am gleichen Tag zum Gipfel aufzusteigen. Um 13 Uhr sind wir los. Nach 3 Stunden Aufstieg dann der Gipfel mit Schnee und Nebel,  zwei Stunden später,  kurz vor Einbruch der Dunkelheit, wieder auf der Hütte (18.30 Uhr) . Todmüde. Heute (18.03.2011) dann Abstieg und Fahrt in Camp. Bin gespannt, was meine Beine sagen in den nächsten Tagen.

Hier ist es mit dem Wetter nicht wirklich stabil. Heftige Gewitterregen kommen jeden Tag. Ich bin sehr gespannt, wie das in den nächsten Tagen so werden wird. Alle sehen etwas miesepetrig drein.

Werner Bitzer am 18.03.2011 per E-Mail (Redaktion: Eberhard Fuhr)

Weitere Informationen:

Eberhard Fuhr

In Arusha angekommen

 

Endlose Straße nach Arusha

Sonntag, 13.03.2011

Nun bin ich also bereits 2 Tage unterwegs.
Am Freitag 10.3.2011 war der „große Aufbruch“. Mit dem Flug und Gepäck ging alles klar. Von Stuttgart nach Istanbul war das Flugzeug bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach dem langen Aufenthalt im International Airport ging es dann endlich weiter. Der Flug nach Nairobi war zum Glück nicht ausgebucht. In meiner Reihe saßen wir zu dritt. Ein Vater aus Nairobi holte seinen kranken Sohn nach Hause. Der hatte in Tel Aviv studiert. Nach einiger Zeit wechselte ich in eine anderen Sitzreihe, die nicht voll belegt war. Das war dann für alle ganz angenehm.

In Nairobi angekommen (2:10 Uhr Ortszeit) klappte auch mit dem Zoll und der Einreise (Visa) alles erstaunlich gut. Nur leider war das bestellte Taxi nicht aufzufinden. Ein sehr freundlicher Taxifahrer erbot sich, das alles zu klären. Er telefonierte mit Ruth von Indaba und erbot sich dann, mich nach Keren ins Camp zu bringen.  Mehr als schiefgehen kann es nicht. Aber allen Befürchtungen zum Trotz kamen wir schnell und gut ins Camp. Was macht man dann nachts um 3.00 Uhr, ohne Licht? Ich setze mich zu den jungen Männern von der Security. Die sitzen jede Nacht beim Feuer und passen auf. Wir kamen ganz gut ins Gespräch. Plötzlich unterbrach mich James und fragte, ob ich den Löwen brüllen höre? Ja so schnell sind wir in Afrika. Genau auf der anderen Straßenseite des Camps beginnt ein Park. Der hat zwar zur Straße einen Zaun, ist aber nach hinten offen. Als es dann endlich so gegen 6.30 Uhr zu Tagen begann, machte ich mich daran das Zelt aufzubauen. Da waren es schon 24 Stunden ohne richtigen Schlaf.

Dann aber kam der Hunger. Frühstück und Kaffee – da war ich wieder wach. Dann kamen schon die ersten Mitarbeiter der TDA. Zelt aufbauen und Fahrrad zusammenbauen – schauen ob beim Transport nichts beschädigt wurde. Aber es ist alles in Ordnung. Das Fahrrad ist sehr gut. Viele, die es gesehen haben, waren sehr angetan – auch der Mechaniker der TDA.

Dann ging es wirklich Schlag auf Schlag. Die deutschen Teilnehmer suchen und Teile übergeben – nach dem sie geduscht haben und Zelt aufgebaut haben. Das Ergebnis war dann, dass ich todmüde nach 38 Stunden wach sein „ins Bett“ gefallen bin.
In dieser Nacht fiel der erste kleine Regenschauer.

Am Sonntag war dann um 10.00 Uhr Rider-Meeting für die Neuen. Es kamen mit mir zusammen sieben neue dazu, darunter auch Viktor aus Südafrika, den ich noch von 2009 her kannte. Er macht alle zwei Jahre einen Teil der Tour. Es hat sich eigentlich nicht sehr viel verändert. Von den Mitarbeitern der TDA kannte ich ja auch schon einige. Das war ein freudiges Wiedersehen. Insbesondere, da sich meine Story schon herumgesprochen hatte.

Dann sind wir in Nakumatt –eine wirklich europäische Shopping Mall. Dort war dann die erste Pizza fällig.
Es hiess dann, dass um 17.00 Uhr die Trucks beladen werden könnten. Das hat sich dann aber bis 20.00 Uhr hingezogen. Also bei Nacht den Locker teilweise beziehen und hoffen, dass alles passt. Erstaunlicherweise habe ich dann am Montagmorgen tatsächlich alles Gepäck im Locker untergebracht. Kaum hatte ich den ersten Teil verstaut, ging aber ein Sturzregen nieder. Das ist wirklich nur in den Tropen zu erleben. Nach einer halben Stunde war es dann aber auch vorbei.

Montag, 14.03.2011

Die übliche Hektik. Frühstück gibt es um 6.00 Uhr. D.h. dann um 5.30 Uhr aufstehen und packen. Und das für einen, der eher als Langschläfer morgens bekannt ist. Das ist schon hart.  Dann der sehnlichst erwartete Aufbruch. Endlich!  Aber auch in Nairobi gibt es Montagmorgens die Rush-Hour. Das waren ca. 20 km im dicksten Verkehr, und die Kenyaner fahren nicht sehr behutsam. Dann endlich das flache Land. Aber das hieß auch dass die Strasse aus Schlaglöchern bestand. Den Asphalt musste jeder suchen und so gut es ging um die Löcher herumfahren. Das gelingt nicht immer. Und schon hatte ich Plattfuß. Aber bis zum Lunch konnte ich mich über Wasser halten und habe halt alle 20 Min. aufgepumpt. Erst beim Lunch dann den Schlauch gewechselt. Nach 30 km hatten wir auch eine excellent gute Straße. Aber auch 37 Grad und immer gerade aus. Dank der Hügel sind es dann bis zum Abend auch über 1000 Höhenmeter geworden.

Abends im Camp spürte ich dann meine Muskeln ziemlich. Es lagen immerhin für den ersten Tag 160 km hinter mir. Aber es gab eine warme Dusche im Camp. Welche ein Luxus. Einer der TN meinte, das sei ja fast wie im Paradies. Da es nach Regen aussah habe ich das Überzelt draufgemacht. Aber jetzt fing mein Körper erst richtig zu glühen an. Einen Schlafsack brauchte ich in dieser Nacht nicht. 

Dienstag, 15.03.2011

Morgens um 5.30 Uhr wecken, 6.00 Frühstück und wieder alles Gepäck einräumen.
Am Dienstag standen dann 120 km über einen kleinen Pass nach Arusha auf dem Programm. Eine neue kerzengerade Strasse. Kein Schatten. Der letzte Anstieg hat mich dann ziemlich geschafft.  Aber nun bin ich im Camp und geduscht und und und.

Werner Bitzer per E-Mail am 15.03.2011 (Redaktion: Eberhard Fuhr)

Weitere Informationen:

Eberhard Fuhr

1. Etappe: Von Nairobi nach Mbeya

Von Nairobi (Kenia) nach Mbeya (Tansania)

Start:
Am 14.03.2011 in Nairobi (Kenia)
Ziel:
Am 26.03.2011 in Mbeya (Tansania)
Dauer:
13 Tage
Entfernung:
1.218 km
Ruhetag:
17.03.2011 in Arusha

Die ejw-Weltdienst Tour 2011