Freitag, den 22.04.2011 (Karfreitag)
Wieder mal Hallo zusammen,
das Internet hier in in Maun im Serida Hotel ist mehr als langsam. Ich konnte gestern die Bilder nicht mehr schicken. Alle wollten ins Internet und da wurde es sehr, sehr langsam. Ausserdem war die Bildgröße zu groß und musste alles ändern.
Aber der Reihe nach. In den letzten Tagen seit Livingstone ist wieder so viel passiert bzw. hat sich ereignet, dass ich es nur mit Mühe in der Form eines Berichtes zusammenbringe, zumal ich zur Zeit einfach nur müde bin. Der Durchfall ist wieder zurück. Auch bei anderen. Ich werde heute am Karfreitag noch abwarten, wenn es besser wird, dann ist es gut, wenn nicht, dann werde ich Antibiotika nehmen.

Ein Elefant komt aus dem Unterholz
Kurz nach der „Ausfahrt“ von Livingstone Richtung Kazangula und Kasane, die Stadt lag gerade mal 5 Minuten hier mir, brach aus dem Gebüsch links von mir aus dem Unterholz ein Elefant. Die Gewalt mit der er sich durch das Gebüsch vorwärts brach, war beeindruckend. Dann wurde mir bewusst, dass das nicht ganz ungefährlich sein könnte. Ich fuhr schneller um noch vorbei zu kommen. In 100 Meter Entfernung blickte ich zurück, Der Elefant hatte sich den hinter mir fahrenden Radlern zugewandt. Die drehten alle schleunigst um. Der Elefant trompete wie wild und schlug mit den Ohren und vollführte auf der Straße einen wilden Tanz. Dem wollte ich nicht zu nahe kommen. Irgendetwas hatte ihn aufgeregt oder er wollte etwas beschützen. Diese Begegnung sollte die einzige auf dem Elefant-Highway sein. Aber die reichte mir auch für diesen und die folgenden Tage.
An diesem Tag standen „nur“ 94 km auf dem Programm, die Fähre war auch relativ schnell über den Chobe River, denn ich hatte auch einmal etwas Glück und kam gerade rechtzeitig zur Abfahrt an, andere mussten über 1 Stunde warten. Als ich zum Camp kam, bogen andere gerade wieder ab und fuhren in Richtung Kasane. Ach da fahre ich gleich mit und tausche Geld. Hier sind wir in Botswana und wir müssen nichtmehr Kwacha sondern in Pula bezahlen. Aber die anderen bogen in eine Hotel-Logde ein. Ich halt einfach mal hinterher. Wir kamen auch an einen wunderschönen Platz. Herrliche Aussicht auf den Chobe. 2 Tassen Kaffee und 2 Muffins. Hier bekam ich dann den ersten Eindruck, welches Preisniveau in Botswana gilt: 60 Pula, was umgerechnet ca. 8 € sind.
Nachmittags dann noch einkaufen im Spar (trotz Palmsonntag) und dann sollte noch ein Höhepunkt kommen. Wer wollte, konnte an einer Bootsfahrt auf dem Chobe teilnehmen (35 $). Das war nun für mich schon auch wieder ein beeindruckendes Erlebnis. Vom Boot aus Elefanten, Krokodile, Hippos, Fischadler, Kundus und Impalas zu sehen. Bei der Rückfahrt dann einen fantastischen Sonnenuntergang. Die Konsequenz dieses schönen Tages war dann, dass wir erst bei Einbruch der Dunkelheit im Camp ankamen. Hungrig. Aber die Spaghetti mussten erst noch gekocht werden. Es folgte eine lange Unterweisung von einem Ranger, was wir tun sollten, wenn an der Straße Elefanten oder gar Löwen auftauchen würden. Es wurde sehr spät!

Junges Krokodil
Am Montag standen dann 159 km auf dem Programm. Endlose Straßen, kein rollender Asphalt, sondern sehr rauh und holprig. Immer gerade aus. Immer gerade aus. Nichts. Kein Elefant, wenige Autos, viel Sonne, Wind immer schräg von vorne, selten mal Rückenwind. 3 x hatte ich den Peleton verpasst. Als der „Refresh“ anstand, kam gerade eine Gruppe zur Weiterfahrt. Stoppen und trinken oder mit den anderen Weiterfahren? Ich fahre mit den anderen. Aber die hatten eine Pause. Ich konnte das Tempo nicht lange mitgehen. Nach 159 km kein Camp. Kein anderer Fahrer. Ich mache weiter. Bis 175 km will ich fahren. Dann ist Schluss. Nach 172 km endlich das Camp.
Der Ranger hatte am vorgesehenen Platz Löwenspuren gefunden und geraten, das Camp zu verlegen. Jetzt campen wir halt auf dem Bolzplatz der Straßenbauarbeiter. Sand. Nur Sand. Keine Dusche. Regen in der Nacht!
Am Dienstag sollten es dann 12 km weniger sein, die hatten wir ja schon am Tag zuvor. Es waren dann letztlich aber doch wieder 147 km bis zum Camp. Straßen und Asphalt – 130 km Baustelle mit vielen Trucks. Der Asphalt dem entsprechend sehr mitgenommen. Wir kommen im Camp an. 9 km vorher noch eine Tankstelle mit der Möglichkeit zum einkaufen.
Ich beschließe für mich: Heute Nacht regnet es nicht. Ich mache deshalb das Überzelt nicht drauf. Prompt in der Nacht kommt ein gewaltiges Gewitter. Schnell die Plane drüber. Aber eben in der Dunkeln und bei Regen. Ich schlafe eigentlich ruhig weiter, obwohl der Donner und das Grollen schon gewaltig sein. Wahrscheinlich habe ich im Dunkeln nicht sorgfältig genug gearbeitet. Morgens stelle ich fest, dass das Zelt innen unter Wasser steht. Alles ist nass!! Es regnet und 188 km stehen auf dem Plan. Aufstehen, Augen auf oder zu? Einige sagen: heute fahre ich nicht. Ich habe doch Urlaub. Ich versuche es.
Nach 5 km hört der Regen auf. Zunächst habe ich auch Rückenwind. Es läuft eigentlich ganz gut. Nach 150 km denke: das schaffst du noch. Bis 15.00 Uhr bist du im Camp. Aber der Schlafsack und alles andere ist klatsch nass im Locker. Nach 153 km kommt der Lunchtruck. Kurz entschlossen strecke ich den Daumen nach unten. Das ist hier das Zeichen: ich will mitfahren. Ich steige in den Truck und fahre erleichtert mit.
Unser Camp liegt irgendwo an einem „Feldweg“. Wir sollen nur links und rechts unser Zelt aufbauen. Es könnte sein, dass Autos die Straße passieren müssen. Und genauso kommt es. Ich dachte, dass ich etwas über lange Straßen gelernt hätte. Heute kam aber eine neue Dimension hinzu. Die meiste Zeit konnte ich nicht sehen, wo die Straße weiterführte. Sie verschwand einfach in der Ferne. Bei jeder leichten „Kurve“ nach links freute ich mich schon. Das bedeutete, etwas mehr Rückenwind. Bei jeder leichten Rechtskurve bedeutete das, dass der Wind von der Seite und von vorne kam.
In der Nacht kam dann auch wieder die Übelkeit, der Durchfall und das Gefühl von unendlicher Schwere und Müdigkeit. Kein Appetit. Jeder Gedanke an Essen verursachte nur Ekel. Ich beschließe am nächsten Tag mit dem Lunchtruck zu fahren und „nur“ die 2 Hälfte mit dem Fahrrad nach Maun zurückzulegen. Es läuft zwar einigermaßen gut. Aber in Maun komme ich nach 66 km ziemlich erschöpft und ausgelaugt an.
Ich muss jetzt eine Pause einlegen. Die Übelkeit und die Müdigkeit kommen wieder. Eigentlich wollte ich nach einem Gottesdienst hier fragen, aber das ist einfach nicht möglich.
Maun am 21.04.2011 um 11.15 Uhr per E-Mail
Redaktion: Eberhard Fuhr
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