15.05.2011
Geschafft!
Nun ist es also geschafft: Was ich vor drei Wochen noch nicht für möglich gehalten hätte: Von Felix United an der Namibisch – Südafrikanischen Grenze bin ich die etwas über 700 km tatsächlich voll durchgefahren. Das hört sich im Rückblick ziemlich einfach an. War es aber glaube ich für alle nicht.
Zuerst ging es 12 km bis zur Grenze, dann folgte ein sehr langer Anstieg von über 700 Höhenmetern. Dann folgten endlos lange gerade Strecken. Aber die Sonne schien und es waren durchaus angenehme Temperaturen. Endlich nach 133 km und beträchtlichen Höhenmetern und 2 Cokestopps in Steinkopf und Okiep war ich am Ziel im Camp. Vorher noch in Springbok Pizzaessen, Internet und das „nötigste“ Einkaufen. Irgendwie klingen die Namen hier im Nord-Westen Südafrikas alle deutsch oder niederländisch-burisch-afrikaans. Ab und zu wird auch deutsch gesprochen. Abends nochmals eine „Sternenführung“. Wie finde ich das Kreuz des Südens? Wo ist der Südpol zu finden? Was hat es mit Toliman und Hader, den Hufsternen des Zentauren auf sich? Woher kommt unser „Kalender“ u.v.a.m.
Nach einer sehr frischen Nacht musste ich das Zelt wie alle anderen auch triefend nass vom Tau wieder verpacken. Morgens war es dann wirklich sehr kalt in Springbok. Bei 6,8 Grad sind wir los und kurz nach dem Start in der dicksten Nebelsuppe unterwegs. Bei dem Verkehr auf der Hauptstrasse (N 7) war mir nicht immer ganz wohl. Angesagt waren „nur“ 117 km nach Garies. Dass dazwischen auch noch 1.600 Höhenmeter lagen, merkten wir sehr alle bald. In Kammeskroon gabe es dann auch einen guten gebrühten Kaffee und keinen Instant!!
Dann wieder die gleiche Prozedur: Zelt nass einpacken, fröstelnd frühstücken und aufs Rad für die nächsten 162 km nach Springfontein an den Atlantik. Wieder entsprechend hügelig und 1.500 Höhenmeter. Dazwischen noch 29 km eine etwas strenge Off-Road Piste mit stellen weisem ekelhaften „Wellblech“. Aber was soll’s: Durch musst du kommen, auch wenn manche Körperteile das nicht gerne haben. Die Ankunft in Springfontein mit sehr kurzem Weg zum Atlantik war schon für alle überwältigend, zumal es auch noch schönes Wetter und einen herrlichen Sonnenuntergang gab. Aber morgens hatte sich die Sonne verzogen und machte einem grauen, tristen Himmel Platz.
Nun standen heute wieder nur 74 km auf dem Plan nach Elandsbai. Zwischendrin gab es auch eine gute Bäckerei mit Kaffee und Kuchen – aber auch die Hälfte der Strecke mit Wellblech immer an der Eisenbahn entlang. Anmerkung: einen so langen Güterzug hatte ich vorher noch nie gesehen. Es waren 8 Loks im Einsatz. Voll beladen mit Granitquadern. Durch den Nebel und die feuchte Atlantikluft klebte der Sand an allem. Fahrrad, Handschuhe und wo sonst noch. Bei der Ankunft im Camp sah es wirklich nach Regen aus. Kurzfristig entschied ich mich in ein Zimmer zu gehen. Aber alle waren schon belegt. Nur ein Wohnwagen war noch frei. Also auch einmal diese Möglichkeit ausprobieren. Plötzlich die Nachricht unser Truck hat einen Unfall – aber kein Personenschaden. Alle sind wohlbehalten. Aber der Truck mit dem Gepäck – Totalschaden. Irgendwie schafften es die Mitarbeiter der TDA innerhalb kürzester Zeit einen Ersatz Truck zu beschaffen und fast alles Gepäck ins Camp zu bringen. 8 Fahrräder mussten ebenfalls als Totalausfall angesehen werden. Aber auch hier war Ersatz sofort zur Stelle!! Schon bewundernswert! Also Gepäck sortieren. Ist auch alles da? Neu organisieren und verpacken.
Und schon kommt der nächste Tag mit 146 km nach Yzerfontein. Wieder mit Off-Road Strecke – aber diesmal nur 7,5 km lang!
Wieder einen schönen Platz mit Kaffee und Kuchen gefunden. Nur Sahne gibt es hier anscheinend nicht. Dann das letzte Ridermeeting mit Instruktionen zum Ablauf, wenn wir in Capetown einfahren. Wieder zurück zur R 27 (klingt irgendwie nach B 27) und mindestens ebenso befahren war die Straße. Also so schnell wie möglich die 60 km abspulen zum Lunch und zum Start des Konvois. Welche Überraschung. Einen solchen Lunch hat es noch nicht gegeben. Köstlich!!
Dann die vielen Bilder. Dann die letzten 40 km zum Stadion durch Capetown. „Big Ride In“ Ceremonie. Reden, Ehrungen, Rührung allerseits. Es ist geschafft. Es ist wirklich wahr. Wir sind am Ziel angekommen. Das ist schon ein erhebendes Gefühl.
Dann ins Hotel, Zimmer beziehen und zum festlichen Dinner an die Waterfront. Ehrungen, Reden, Rückblicke, Diashow und ein sehr gutes Abendessen. Um 12.00 Uhr dann todmüde ins Bett.
Das war ein sehr gedrängter Überblick über die letzten Tage. Nun steht einpacken, sortieren und vorbereiten an. Bald möchte ich in Walddorf und Württemberg wieder deutsch reden können und Spätzle essen. Das habe ich heute übrigens hier im Hotel gegessen. Auf der Speisekarte steht wirklich hier in Capetown „Spätzle“. Da habe ich mich natürlich als Nationalschwabe zu erkennen gegeben und auch vom Ober sofort einen kräftigen Nachschlag von ausgezeichneten Spätzle bekommen. Aber es war immer noch zu wenig. So viel wie wir hier alle Essen – das ist schon gefährlich.
Ich freue mich aufs Schwabenländle, die Kultur, die Kirchen, die Glocken, die Gottesdienste und wieder „schwätza kenna“ – ond no wird ma au no verstanda!!
- Die 60-iger
Werner Bitzer am 15.05.2011 per E-Mail aus Kapstadt
Redaktion: Eberhard Fuhr


















Lieber Werner,
herzlichen Glückwunsch! Gott sie Dank, dass Du gut angekommen bist.
Vielen Dank für diese Aktion. Wir haben Sie intensiv verfolgt und freuen uns schon, Dich im Ländle wieder zu sehen.
Mit herzlichen Grüßen
Doris und Hermann Hörtling
Lieber Werner;
ich glaube auf dich warten Spätzla ohne Ende……nach all den Strapazen die du durchzustehen hattest hast du dir die ja auch redlichst verdient…….von mir gibt es keine Spätzle sondern einfach einen dicken Glückwunsch zu deiner Tour und zu allem was Du in den letzten Wochen so durchgestanden hast……Wahnsinn!!!!!
Komm gut heim und laß dich verwöhnen! Alles Gute und Danke für all deine Berichte……
take care
kollegiale Radgrüße
Hartmut
Lieber Werner,
wir freuen uns auf Dich und Deine Berichte. Wie gut, dass Du wohlbehalten (kommt dieses Wort von gehalten?) in Südafrika angekommen bist. Guten Heimflug und gutes Eingewöhnen im Schwabenländle!
Grüße von Elke
Lieber Herr Bitzer,
mit großer Aufmerksamkeit und hohem Interesse habe auch ich Ihre “mörderische” Tour begleitet. Wie sehr freue ich mich, dass Sie den Mut und die Stärke hatten, sich erneut aufs Rad zu setzen – nach all den Erfahrungen aus der ersten Tour. Ich bin überzeugt, dass Ihr Gottvertrauen und die Gebete Ihrer vielen Freunde zum schließlichen Gelingen beigetragen haben. Gott sei Dank für alle Hilfe.
Wenn es an Spätzle-Angeboten fehlen sollte, wenn Sie wieder heimkommen, da könnten wir Ihnen auch aushelfen.
Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen
Ihr Dietmar Spreer
Lieber Werner,
geschafft! Was für ein Gefühl für dich und was für eine Leistung! Du hast meine große Hochachtung und all meinen Respekt.
Ich fahre ja auch gern Rad, aber lieber im Ländle am Neckar entlang als quer durch Afrika.
Und nun alles Gute für die Heimreise.
D Spätzle ond schwäbisch schwätze kenna wardat uf di.
Danke, Gott segne dich!
dein Fritz Leng
Hallo Werner,
ganz herzlichen Glückwunsch für all diese Strapazen und neuen Seiten in einem so großen Land wie Afrika. Gott sei Dank, dass alles ohne Unfall ablief, anstatt wie das letzte Mal. Schön ,dass du uns deine Eindrücke so weitgefächert schildern konntest. Wenn es nun nach Hause geht nochmals alles Gute für die Rückreise. Vielleicht kommst Du mal in RT zum Erzählen vorbei.
Liebe Grüße nach Afrika.
Günther Digel CVJM RT