Eberhard Fuhr

Warum haben wir eine 7-Tage-Woche?

Hallo zusammen,
ich weiss gar nicht mehr, wo ich aufgehört habe und wo ich weiter machen soll. Die Tage verschwimmen hier. Heute ist auf jeden Fall Sonntag und Ruhetag in Felix United. Einer sehr schönen Lodge direkt am Orange River, in der Nähe von Noordoewer, direkt an der Grenze zwischen Namibia und Südafrika. Morgen am Montag geht es dann ohne Ruhetag direkt über die Grenze zum Ziel Kapstadt (Capetown), das wir am nächsten Samstag dann erreichen werden. Dazwischen liegen noch so ca. 760 km.

Gestern bin ich wieder auf das Rad gestiegen und vom Lunch nach Felix United gefahren (ca. 84 km). Die ersten 92 km von Seeheim zum Lunch bin ich mit dem Truck gefahren. Vom Lunchtruck waren die ersten 42 km wirklich Off-Road: leicht ansteigend bei starkem Gegenwind. Teilweise waren für mich (und viele andere) nur 13 – 15 km pro Stunde drin. Da habe ich die Racer bewundert, die das anscheinend locker wegstecken und nur so an mir vorbei gerauscht sind. Wirklich stark. Als dann die letzten 40 km auf Asphalt begannen, wollte ich aufatmen, aber jetzt war der Gegenwind noch stärker. Die Wüste, durch die Straße führt war wirklich beeindruckend. Unglaublich schöne Kontraste und Farbenvielfalt. Teilweise mit Blumen! Allerdings konnte auf der Off-Roadstrecke der Blick kaum von der „Straße“ genommen werden. Sand, Wellblechpiste, Wasserrinnen, Steine und was sonst noch so alles das Weiterkommen verhindert. Auf der anderen Seite war die Temperatur mit ca. 28° wirklich angenehm. Unglaublich auch der Kontraste hier zwischen Grün und Rasen und Sand und Wüste.  Wasser bedeutet Leben. Das ist hier unmittelbar zu erfahren.

Unser letztes Camp in Hobas (Road-House) war für mich der Beginn der Erholung. Langsam geht es wieder aufwärts und ich brauche nicht mehr für jeden Entschluss und die Umsetzung unendlich viel Zeit und Kraft. Ich fühlte mich sogar so „stark“, dass ich auf Englisch einiges über die Sterne erzählte. Wie findet man das Kreuz des Südens? Was hat es mit dem Orion auf sich?  Warum haben wir eine 7 Tage-Woche und keine 10 oder sonst was? Woher kommt unser Kalender? U.v.a.m. Es kamen so zehn Interessierte und das war wirklich sehr schön. Es hat anscheinend so Anklang gefunden, dass ich es heute Abend nochmals wiederhole, weil einige auf mich zugekommen sind, dass sie vorgestern keine Gelegenheit hatten zu kommen.

Im Road-House Camp habe ich zum ersten Mal wieder das Zelt aufgebaut. Die Tage zuvor konnte ich einfach nicht und brauchte die Toilette in der Nähe.  Von Sesriem über Betta nach Seeheim bin ich mit dem Truck gefahren. Der Durchfall hatte mich sehr fest im Griff und ich war nur noch ein Häufchen Elend, das nichts als schlafen wollte. Ausser mir waren noch einige andere betroffen. Jetzt geht es wirklich wieder aufwärts und ich hoffe, dass das auch so bleiben wird.

Nachts werden übrigens die Temperaturen schon ziemlich tief. Es wird sehr kühl. Morgens ist das Zelt nass vom Tau. Es fällt schwer, das Zelt in diesem Zustand abzubauen und einzupacken – im Dunkeln! Tagsüber regnet es jetzt nicht mehr. Allerdings auf der Strecke nach Seeheim sind schon morgens mehr als 20 in den Truck gestiegen, weil es regnete und der Sand sehr tief war. Unterwegs kamen dann nochmals fast 20 dazu, die sich diesen Strapazen nicht gewachsen fühlten. Der Platz auf den Trucks wurde wirklich sehr eng und es war alles nur noch mit etwas Galgenhumor zu bewältigen. Anders geht das nicht.

Übrigens:
Das hier ist auch auf andere Art und Weise so eine Art Selbsterfahrungsgruppe. Wenn es regnet und fast 40 Leute die Rezeption des Seeheim Hotels stürmen, weil jeder ein Zimmer haben und keiner ins nasse Zelt will, das ist schon bemerkenswert, was da so alles abgeht. Es waren dann zum Glück genügend Zimmer bzw. Betten vorhanden, so dass alle unterkommen konnten, die es wollten. Aber an der Rezeption waren sie Zeitweise doch völlig überfordert. Gestern Abend hier im Restaurant auch. Wenn über 80 Leute das Restaurant „stürmen“ (es gibt kein anderes in der Nähe) und wir uns eben selbst verpflegen müssen, dann führt das zumindest vorübergehend irgendwie zum Chaos. Ich musste mit einigen anderen über 2 ½ Stunden auf das Essen warten. Irgendwie sind wir trotz nachfragen und reklamieren unter den Tisch gefallen. Wenn der Hunger steigt, alle anderen essen und satt sind – das sind schon entsprechende Gefühle und Reaktionen.

Aber heute scheint die Sonne, es ist angenehm warm, das Frühstück war chaotisch, aber sehr gut (75 nam$ und eine ¾ Stunde auf den Kaffee warten) aber sonst wirklich sehr gut. Wir lernen hier vieles so nebenbei. Auch was Höflichkeit, Rücksicht, Ellbogen, Vordrängen u.v.a.m. betrifft. Ich auch.

Werner Bitzer am 8.5.2011 per E-Mail aus Felix United
Redaktion: Eberhard Fuhr

Der weitere Plan:

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