Eberhard Fuhr

Matsch und tiefer, tiefer Sand

Hallo zusammen,
die letzten Tage hatten es wieder in sich. Zuerst noch der Rückblick auf das Treffen mit den Schwestern von Gerda Teufel. Es gab Nudeln mit Gulasch und ein Bier. Und natürlich lange Gespräche. Das kann ich alles erst zuhause erzählen, es wäre sonst hier zu viel: Von den Farmern, von der deutschen Gemeinde, vom Schulsystem, von den Mitarbeitern in den Firmen u.v.a.m. Es waren sehr viele interessante Informationen dabei.

Mein Refugium (Zimmer in der Lodge) hatte ich schon geräumt, also zurück ins Zelt. Erst da wurde mir deutlich, dass ich mein Zelt in der „flodding Area“ aufgebaut habe. Nachdem es in den Tagen, in denen ich im Zimmer war, nicht geregnet hatte, ging ich davon aus, dass es in dieser Nacht (sternenklar) auch nicht regnet. Prompt kam ein heftiges Gewitter in der Nacht. Also wieder einmal das Zelt nass einpacken – zum Glück regnet es beim Frühstück nicht. 

Kurz nach 6.00 Uhr (jetzt ist in Namibia Winterzeit) ging es dann auf die 114 km lange Strecke nach Weissenfels. Die ersten 11 km nach Windhoek war noch Asphalt. Dann beginnt die fast 1.000 km lange Off-Road Strecke zur Grenze von Südafrika. Wer sich nun denkt, dass die beginnende „Wüste“ eben sei, der hat sich gründlich getäuscht. Über 1.100 Höhenmeter waren bewältigen. Die letzten 7 davon mit heftigem Gegenwind. Aber eine wirklich faszinierende Landschaft, sehr beeindruckend.

Wer nun weiter denkt, dass die in der Karte eingezeichneten Orte auch Orte seien, der täuscht sich abermals. Weissenfels ist eine Lodge (mit Pferdefarm) irgendwo im Niemandsland,  mehr nicht. Cokestopps gibt es hier nicht mehr. Es ist hier nichts ausser vielleicht nach 40 km einmal eine Farm, aber weit von der Straße entfernt. Immerhin Dusche und kalte Getränke!!

Mein Zelt hatte ich etwas abseits aufgebaut. Dass das ausgerechnet neben dem Generatorhäuschen war, merkte ich erst abends, als er zu laufen begann. Bis 23.00 Uhr. Und dann wieder ab 4.00 Uhr morgens. Aber  den anderen ging es auch nicht besser. Der nächste Tag (Freitag 30. 4.) sollte uns nach Solitär führen. Dazwischen  ein Pass. In der Nacht hatte es wieder mal geregnet.

Die Straßen waren teilweise nur Matsch und tiefer, sehr tiefer Sand. Die Kette quietschte erbärmlich, alles schmieren half nichts, dann wieder durch die Wasserlöcher. Je länger es ging, desto mehr gingen alle dazu über einfach durchzufahren. Irgendwie werden wir durchkommen. Alle sahen entsprechend aus. Einschließlich der Räder. In Nauchas dachte ich an einen Cokestopp – aber ausser der Police-Station gab es sonst nichts. Wirklich nichts.

Oben am Pass ein wirklich beeindruckender Tiefblick!! Unglaublich. Und meine Kamera setzte kurz vorher aus (ich habe sie bis jetzt nicht mehr zum „laufen“ gebracht“). 500 Höhenmeter Abfahrt auf 4 km. Die Bremsen sind heiß gelaufen. Unten glücklich angekommen bissen wir uns durch Sand und Stein in der nun wirklich heißen Sonne. Da kam die Gecko-Farm gerade recht. Die wird von einem deutschen Ehepaar bewirtschaftet mit Lodge und deshalb auch Getränke. Aber um die Lodge zu erreichen, mussten wir schieben, so tief war der Sand: Kein Durchkommen.

Warum sind immer die letzten Kilometer die härtesten? Die letzten 30 km nach Solitär waren wirklich hart für mich. Sand, Steine und Wellblechpiste. Aber der Apfelkuchen entschädigte dann für Vieles. Der war wirklich sehr, sehr gut!!

Was kam in der Nacht? Das obligatorische Gewitter. Heftig! Blitz und Donner auf einen Schlag und heftiger Regen. Also heute Morgen wieder das Zelt nass einpacken.  Heute sollten es „nur“ 83 km sein. Aber dazwischen lagen wieder Steigungen und vor allem ein heftiger Gegenwird. Teilweise bin ich nur mit 11 Stundenkilometer mühsam vorwärts gekommen. Nach 4 Stunden war die Strecke geschafft und ich wieder mal auch. Zuerst trinken. Dann ruhen, dann Zelttrocken, dann aufbauen. Der Wind und das wirklich trockene Klima (trotz Regenwolken) ließen das Zelt rasch trocknen. Jetzt ist wieder keine Wolke am Himmel. Durst ist der Begleiter.  In Solitär war die Regenmenge angeschrieben. (2009 = 223 mm, 2010 = 135 mm und dieses Jahr? Januar = 240 mm, Februar = 190 mm, März = 270 mm, April war leider noch nicht angeschrieben. Die Landschaft hier ist wirklich sehr faszinierend. Irgendwie habe ich mir das ganz anders vorgestellt. Aber wirklich sehenswert und ein Highlight! Auch wenn die Straßen alles andere als fahrradfreundlich sind.

Privat:
Der Durchfall meldet sich wieder zurück. Ich glaube jetzt nicht mehr, dass es ein Infekt  ist. Ist es das Wasser, die Hitze, die Gruppe, das baldige Aufstehen, der Stress mit dem Packen, das Essen hier, meine noch vorhandene Raucherei? Ich versuche das in den nächsten Tagen herauszufinden. Morgen geht die Hälfte der Gruppe schon um 5.15 Uhr nach Sossusvlei zu den Dünen. Das ist mir zu bald. Das schaffe ich nicht. Außerdem ohne Foto?

Nun werde ich den „Rest“ auch noch bewältigen. Irgendwie.
Danke für alles Drandenken und liebe Grüße
Werner

per E-Mail am 02.05.2011
Redaktion: Eberhard Fuhr

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