Dienstag, 26.04.2011 aus Windhoek
gestern bin ich am späten Nachmittag so gegen 17 Uhr in Windhoek angekommen und habe ein sehr komfortables Zimmer in der Arebbush Lodge (ca. 90 $, Frühstück extra!). Aber das war es mir gestern wert. Ich habe fast nur geschlafen und fühle mich heute schon sehr viel wohler und besser.
Wie ist es dazu gekommen?
In Maun ging es mir nicht sehr gut. Ich bin deshalb mit dem Truck zum Bushcamp gefahren. Mit Mühe habe ich dort mein Zelt aufgebaut. Nachts musste ich zwei Mal in den Busch und habe auf dem Rückweg im Dunkeln fast mein Zelt nicht mehr wiedergefunden. In der Nacht regnete es mal wieder, zum Glück beim Frühstück nicht mehr. Auch am Nächsten Tag (Ostern) bin ich ohne zu zögern mit dem Truck gefahren. Mit mir fuhren noch mindesten 6 weitere Fahrer. Im Camp in Ghanzi angekommen, musste ich eine Entscheidung treffen, obwohl mein Denkvermögen ziemlich eingeschränkt oder gar nicht funktionierte. Zimmer in der Lodge? Wie viele Tage? Oder gleich nach Windhoeck mit dem Bus? Oder auf Matthias (den schweizer Rettungssanitäter) warten? Ihm die Entscheidungen übertragen? Mein Zelt war vom Regen noch nass. Also zuerst das Zelt trocknen. Immerhin schien die Sonne wieder.
Ok, ich treffe die notwendigen Entscheidung.
- Ich werde schweren Herzens ein Zimmer nehmen. Es geht nicht anders.
- Ich werde mit dem Truck zur Grenze fahren (Der Bus bis zur Grenze ca. 207 km kostet 200 namibische $, die kann ich dann sparen.)
- Von dort ein Taxi oder Minibus (250 namibische $) nach Windhoeck ca. 300 km
- Dann ins Camp und auf die anderen warten. Irgendwie kriege ich das schon hin.
- Nach dem Schlafen umpacken und den Rest im Locker verstauen. Auch das werde ich im Laufe des Tages irgendwie schaffen.
Es ist jetzt 10.30 Uhr. Dann kommt Matthias und ruft mir zu: „Auf geht’s. mach einen Quick-Pack. Um 11 Uhr geht der Bus. Ich fahre auch nach Windhoeck weil ich ein paar Tage frei habe“. Das schaffe ich nicht. Das geht einfach nicht. Außerdem habe ich mich schon entschieden.
Ich schlafe gut. Ich fühle mich erholt. Der Durchfall hat mich immer noch im Griff, trotz der Antibiotika. Aufstehen um 5.30 Uhr, Frühstück um 6 Uhr. Sonst fährt der Truck immer schon kurz vor 7 Uhr los. Heute ist alles anders. In der Nacht hat es zwar nicht geregnet, aber der Himmel ist rabenschwarz. Der Truck fährt heute erst um 7.30 Uhr los. Wieder fahren etliche mit dem Truck. Ich bin nicht der Einzige, das ist auch etwas tröstlich. Es ist auch interessant, wer von den anderen bemerkt, dass es mir nicht gut geht und fragt. Das ist hier wirklich nicht selbstverständlich. Jeder muss zuerst nach sich selbst und seinen Sachen und Angelegenheiten schauen. Das geht auch gar nicht anders. Auch ich kriege ja nicht alles von den anderen mit und bin öfters erstaunt, was alles so gelaufen ist. Trotzdem dass wir so spät loskommen, ist der Lunchtruck auch nicht viel schneller. Der fährt sonst kurz nach 6.00 Uhr los. Ist aber heute vollgepackt mit Fahrern, die bis zum Lunch fahren und von dort die restlichen 130 km beginnen. Kurz nach der Abfahrt geht ein sehr heftiges Gewitter nieder. Eines von vier Gewittern an diesem Tag mit teils heftigen Regenschauern! Seit Malawi – also seit 3 Wochen – höre ich, dass die Regenzeit eigentlich vorbei sein sollte, ist sie aber nicht.

Regen und Matsch an der namibischen Grenze
Unser Camp liegt kurz nach der Grenze. Der Übergang geht ziemlich einfach und schnell. Ich wundere mich bloß, wo all die vielen Leute in der Warteschlange plötzlich herkommen. Unser nächstes Camp liegt gleich nach der Grenze. Durch den Regen ist alles nur noch Matsch. Aber richtig tiefer morastiger Matsch. Meine Schuhe und Füße sehen nach wenigen Schritten entsprechend aus. Ich bin heilfroh, dass ich hier nicht campen muss. Gleich nebenan sollen die Minibusse fahren. Eines steht schon da. Leider vollbesetzt. Aber der Fahrer ruft seinen Kollegen an. Hast du noch einen Platz? Ja doch, ich komme gleich. Kurz darauf beginnt mein eigentliches Abenteuer. Der Minibus ist ziemlich voll. Ich bekomme einen Platz zugewiesen.
Irgendwie scheinen sich hier alle zu kennen. Ein schlanker Mann macht den Eindruck, als ob es ein Reverend, also Pfarrer, sein könnte. Er hat auch ein Zeichen mit dem Kreuz an seinem Jackett. Gleich nach der Abfahrt ertönt auch eine CD mit eindeutig christlichen Liedern (Halleluja und Jesus – mehr kann ich nicht verstehen). Neben mir sitzt ein sehr beleibter Mann. Ich habe nur so ungefähr einen halben Sitzplatz. Mein Sitz ist auch noch ziemlich durchgesessen – wie wahrscheinlich alle anderen auch. Auf dem sogenannten Gang ist kein freier Platz. Meine Füße kann ich auch nicht ausstrecken, weil zu allem noch ein Campingstuhl in der Sitzreihe untergebracht ist. Rechts von mir sitzt der Kleidung oder Tracht nach zu urteilen eine Herrero-Frau, beleibt ist etwas untertrieben. Sie braucht zwei Sitzplätze für sich, es bleibt sonst kein Platz mehr. Ich sehe immer mehr solche Menschen. Ist der Reverend der einzig Schlanke hier? Weiter vorne sitzt ein kleiner untersetzter Mann mit einer Art Tirolerhut. In Bayern wäre er nicht aufgefallen, aber hier in Namibia? Plötzlich ein eher zaghafter Versuch von zwei sehr beleibten Frauen zu klatschen und sich im Rhythmus der Musik zu bewegen. Es bleibt bei dem Versuch. Irgendwie finde ich die Musik vertraut. Es klingt nach Evangeliums-Liedern. Bei einer Pause stellt sich heraus, dass es eine Gruppe von Siebenten-Tags-Adventisten auf dem zu einer Freizeit ins Headquarter nach Windhoek ist. Das Gespräch ist einsilbig und nicht sehr freundlich. Bis Windhoek noch 200 km. Die CD läuft nun schon zum 4. Mal. Ich kann nun fast schon sagen, wo die Kratzer sind. Auch die Lautstärke steigt. Plötzlich steigt auch mein Innendruck an. Wie soll ich sitzen? Es wird alles sehr, sehr mühsam.
Windhoek International Airport. Noch 40 km. Police-Station. Kontrolle. Kann ich aufs Klo. Nein, es geht weiter. Wohin ich eigentlich will. Ich sage es. Plötzlich hält der Minibus an einer 6-spurigen Straße. Kein Minibus-Bahnhof oder so, kein Taxi in Sicht. Ich soll aussteigen, über die Straße gehen. Dort fahren die Taxis. Mir ist sterbensschlecht. Ich brauche eine Toilette. Irgendwie schaffe ich es mit dem Gepäck über die belebte Straße. Eine Tankstelle. Die haben eine Toilette. Ich brauche den Schlüssel. Wahrscheinlich mache ich einen erbarmungswürdigen Eindruck. Ich bekomme den Schlüssel. Was für eine Erleichterung! Zum Glück habe ich Toilettenpapier bei mir. Ja ich solle an die Straße zurück und auf ein Taxi warten. Ich gehe. Plötzlich kommen zwei junge Mitarbeiter und helfen mir. Sie zeigen mir, wie man das hier macht. Und tatsächlich, das 3. Taxi nimmt mich mit. Und wir finden das Camp bzw. die Arebbush Lodge. Taxi dürfen nicht auf das Gelände: schlechte Erfahren. An der Rezeption mache ich vermutlich wieder einen eher verwirrten Eindruck. Letztlich werden wir uns irgendwie einig. Ich will nur noch schlafen. Das Gelände ist riesig und ich bekomme das Zimmer, das am weitesten weg ist.
Es ist jetzt 17.30 Uhr. Toilette, hinlegen und schlafen. Um 19.30 Uhr wache ich am Hunger auf. Ich gehe sehr langsam zum Restaurant. Tagesmenü ist Lasagne. Die schmeckt auch gut! Fühle mich jetzt schon viel besser. Es gluckert und rumpelt nicht mehr in meinem Bauch und Gedärm. Kaum denke ich dies, gehe ich auf dem schnellsten Weg zurToilette und sage meiner Lasagne für immer auf Wiedersehen.
Dienstag, den 26. 4. 2011
Ich schlafe ganz gut, abgesehen davon, dass irgendein Gerät brummt. Ich wache mit einem starken Hungergefühl auf. Um 7.30 Uhr gehe ich ins Restaurant und nehme das Frühstück für 45 Nam. $. Dabei komme ich mit einem Ehepaar aus Namibia ins Gespräch. Sie haben sich am Nebentisch in Deutsch unterhalten. Neben vielen Themen, die ich dann zu hause berichten kann, kamen wir auch auf das Wetter zu sprechen. Sie sagten mir, dass es in Namibia und im ganzen südlichen Afrika seit über 20 Jahren nicht mehr so viel geregnet hätte, wie dieses Jahr. Jeder, der ein Auto und ein wenig Zeit hätte würde an den Swakop fahren und sich ansehen, was dort los sein. Ein kleiner Bach sei dieses Jahr plötzlich so breit und tief und reißend, dass alle sehr erstaunt seien. Die Eisenbahn könne nicht mehr fahren, weil die Brückenpfeiler, die sonst auf dem trockenen stehen, völlig unterspült seien und es fraglich sei, ob und wie lange die Pfeiler dem Wasserdruck standhalten würden. Ein Ende der Regenzeit sei nicht abzusehen. Na, das sind ja schöne Aussichten. Auch heute ist der Himmel eher trüb und bedeckt – aber bis jetzt hat es noch nicht geregnet.
Redaktion: Eberhard Fuhr
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